Mittwoch, 11. Dezember 2019

Rezension: "Die Eishexe" von Camilla Läckberg

Nach dem Roman "Golden Cage", der mir sehr gut gefallen hatte, griff ich recht wahllos nach einem weiteren Buch von Camilla Läckberg und erwischte einen der Falck-Hedström-Krimis. Es macht nichts, dass ich nicht von Anfang an mit der Reihe gestartet bin: Der Leser braucht keine Zusammenhänge und kein Vorwissen, er kann der Geschichte auch als Neuling folgen.

Handlung:


Als die kleine Linnea Berg vermisst gemeldet wird, starten die Bewohner von Fjällbacka eine Suchaktion in den umliegenden Wäldern. Schon einmal wurde ein Mädchen dort getötet. Dreißig Jahre ist das nun her. Damals fand man Stella Strand an dem einsam gelegenen Waldsee. Zwei 13-Jährige bekannten sich zur Tat – um wenig später ihr Geständnis zu widerrufen. Der Fall wurde nie geklärt. Kurz darauf beging der Chef der Polizeistation Tanum Selbstmord.

Hauptkommissar Patrik Hedström findet keine Ruhe. Und plötzlich reden alle von der Eishexe. Dem bodenständigen Kommissar widerstrebt es, dass eine Legende um ein misshandeltes Mädchen aus dem 17. Jahrhundert die Ermittlungen beeinflusst. Doch im Ort herrscht Hysterie. Nur seine Frau, Schriftstellerin Erika Falck, scheint einen kühlen Kopf zu bewahren. Schon lange recherchiert sie in dem alten Fall. Gemeinsam versuchen sie, Licht in das Dickicht aus Geschichten und Gerüchten zu bringen.

(Quelle Handlung und Bild: Amazon)

Mein Eindruck:


Die Story liest sich in einem Rutsch weg. Man kann einfach nicht aufhören und muss weiterlesen, selbst, wenn einem abends die Augen schon zufallen und die ganze Welt im Schlummer liegt, nur man selbst nicht.

Die Handlung ist alles andere als alltäglich. Sie glänzt durch ihre vielen, sorgsam ausgestalteten Figuren. Es finden sich humorvolle, gruselige, gefühlsintensive und sogar ziemlich an die Nieren gehende Passagen, die trotz ihrer Gegensätze ineinander greifen und zusammen passen.

Die Ermittlungsarbeit wirkt solide und realitätsnah. Um die Handlungsweisen ihrer Figuren nachvollziehbar werden zu lassen, arbeitet die Autorin mit zahlreichen psychologischen Erklärungen, sie taucht dabei recht tief ein und bettet ihre Story auf eine gute Basis. Viele gesellschaftlich relevante Themen, zum Beispiel Mobbing oder das Wesen der Freundschaft, werden einbezogen. Das Tempo ist hoch - es passiert viel und ständig etwas Neues. Perfekte Spannung erhält der Roman durch die zwischengeschobenen historischen Rückblicke, bei der am Ende die Fäden auch zusammenlaufen. Bald interessierte mich die Geschichte der "Eishexe" sogar mehr als die Entwicklung des Mordfalls, obwohl mich historische Romane nur selten reizen. 

Mein einziger Kritikpunkt: Die Auflösung ist so schlaff wie ein leerer Luftballon! Ja, das Ende eines Romans, vor allem eines mit einem Rätsel, das gelöst werden soll, ist vermutlich das Schwierigste an dem Text. Aber mit einer Lösung anzukommen, die nur ein müdes Abwinken hervorruft, ist keine gute Idee gewesen. Und man erahnt das Ende leider auch sehr zeitig.

Trotzdem lohnt es sich, das Buch zu lesen. Es ist gut geschrieben und die Figuren rund um das Ermittlerteam gleichen das schwach konstruierte Ende aus.