Donnerstag, 23. April 2020

Rezension: "Verlorene Seelen" von Michael Wagner


Handlung:


Doktor Carola Pütz ist eine weltbekannte Gerichtsmedizinerin. Bei einer Gefälligkeit, die sie einer alten Bonner Studienkollegin erweist, erleidet sie einen Herzinfarkt und landet im Bonner Krankenhaus. In den Gesprächen mit den Medizinern muss sie ihre Schwachstelle offenbaren: Sie leidet seit der Trennung von ihrem Mann unter Arithmomanie, dem Zwang zu zählen.
Der Herzinfarkt in Verbindung mit diesem Leiden zwingt sie zu einer beruflichen Neuorientierung. Doch zuerst muss sie zu einer Reha-Maßnahme in eine Klinik in Bad Elster, einem Ort an der tschechisch-deutschen Grenze.
Anfangs skeptisch, findet sie bald Gefallen an dem Ort, der Klinik und dem süßen Nichtstun.
Bis zu dem Tag, als nach dem Besuch eines Konzertes die Leiche einer jungen Frau im Swimmingpool der Klinik entdeckt wird. Die örtliche Polizei verhält sich merkwürdig zurückhaltend, auch in der Klinik geschehen weitere seltsame Dinge.
Sie lernt den Journalisten Reto Winterhalter kennen und ist bald fasziniert von seinen Recherchen. Bei ihren Ermittlungen geraten sie in einen schier unergründlichen Strudel aus Korruption, Drogenhandel und Prostitution. Ihre Fähigkeit, Dinge blitzschnell wahrzunehmen, erweist sich als Gabe, aber ebenso als Fluch.


Mein Eindruck:


Carola Pütz ist eine Gerichtsmedizinerin mit Ecken und Kanten. Eigentlich zur Erholung in eine Kurklinik geschickt gerät sie bald in die Nähe dubioser Machenschaften, die ihre berufliche Neugier wecken und ihr Bedürfnis nach Gerechtigkeit auf den Plan rufen. Statt sich von ihrem Herzinfarkt zu erholen und einen Gang runterzuschalten, wird sie in ihrem beschaulichen Kurort in einen Sumpf von Kinderprostitution, Drogen, Gewalt und Mord hineingezogen. Sie muss sich bald entscheiden: Sich schonen, um ihrer Gesundheit willen? Oder auf eigene Faust "ermitteln" und bösen Menschen das Handwerk legen, auf die Gefahr hin, sich damit selbst Schaden zuzufügen? Carola Pütz wäre nicht Carola Pütz, wenn sie die Füße stillhielte! Dazu kommen die wundervollen und verwirrenden Erfahrungen einer womöglich neuen Liebe und das Chaos ist perfekt...

Michael Wagner präsentiert in seinem Carola-Pütz-Auftakt sehr eindringliche Schilderungen einer unfassbar hässlichen Welt, die das krasse Gegenteil der Welt darstellt, in der sich die Kurgäste bewegen, und doch ein verborgener Teil von ihr ist. Mit außergewöhnlich viel Einfühlungsvermögen werden die Szenen geschildert und besonders jene, in denen Kinder oder Tiere vorkommen, sorgen für Gänsehaut. Die Figuren sind sorgfältig ausgestaltet und glaubwürdig, der Handlungsbogen ist sauber geführt und spannend. Zum größten Teil erscheint uns Carola selbst als Erzählerin. Aber wann immer es nötig ist, schieben sich andere Erzählerstimmen dazwischen, um dem Leser mehr Informationen zu geben. Dieser Wechsel erhöht die Spannung. Die Orte sind außergewöhnlich ausführlich und detailliert beschrieben. Zudem glänzt der Autor durch umfangreiches Wissen aller relevanten Bereiche, von der Stadtgeschichte über medizinische und psychiatrische Informationen, den Ablauf einer Obduktion, die Polizeiarbeit oder die Zusammenhänge in der kriminellen Unterwelt.

Somit garantiert das Buch ein rundum schönes Lesevergnügen. Carola Pütz ist eine eigensinnige, kluge und taffe Figur, von der es zum Glück schon Folgebände gibt! 

Fazit:


Michael Wagner gibt in seinem spannenden Krimi Einblicke in eine ganz besondere Parallelwelt, für die es gute Nerven braucht. Er bietet damit auch ein Stück weit missbrauchten und misshandelten Kindern eine Stimme, die allzu oft untergehen, weil niemand sich für sie interessiert. Ein wichtiges und aktuelles Thema wird hierbei in einen Text verpackt, der sich angenehm lesen lässt. 

Das Buch wurde mich vom Autor zur Verfügung gestellt. Dafür danke ich herzlich. Meine Meinung hat dies nicht beeinflusst.


Quelle Handlung und Cover: Amazon

In eigener Sache: 


Ich bin immer offen für Rezensionen - auch für DICH und DEIN Buch! Wenn mich die Geschichte reizt, lese ich nahezu jedes Genre. Trau dich gern, mich darauf anzusprechen und mir dein Buch vorzuschlagen!