Donnerstag, 11. Juni 2020

Rezension: "Zum zweiten Mal tot" von Marcus Johanus

Handlung:


»Natürlich habe ich Angst vor dem Tod.
Ich weiß genau, was danach kommt.«

Die junge Kriminalpsychologin Lisa Kreuzer lebt auf der Überholspur. Karriere. Popularität. Erfolg auf ganzer Linie. Bis sie bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn stirbt.

Lisa verbringt einige Minuten im Jenseits, bevor sie wiederbelebt wird. Zusammen mit weiteren Unfallopfern, die ins Leben zurückgeholt wurden, wird sie Wochen später aus einer Gruppentherapie in ihren Alltag entlassen.

Doch Lisa gelingt die Rückkehr in ihr altes Leben nicht. Ihre Nahtoderfahrung hat sie zu sehr verändert.

Da empfängt sie auf ihrem Handy Nachrichten von einem Fremden, der behauptet, aus dem Jenseits zu sein.

Und er will ihren Tod.


Mein Eindruck:


Die Grundidee, welche Thriller- und Mystery-Elemente miteinander verknüpft, fand ich so originell und reizvoll, dass mir der Einstieg ins Buch leichtfiel. Und tatsächlich entfaltet der Autor eine spannende Story, die nicht ganz eindeutig daherkommt: Sind die Todeserfahrungen echt? Was hat es mit dem bedrohlichen Verfolger auf sich? Wie kann es Lisa gelingen, die Erfahrungen zu verarbeiten und ihre angeknackste Psyche wieder in den Griff zu kriegen?  Hier finden sich viele Themen, auch philosophischer, gesellschaftlicher und psychischer Natur, die aus dem Buch mehr als einen Unterhaltungsroman machen.

Der Autor Marcus Johanus lässt uns reichlich an den Gedanken und Gefühlen der Hauptfigur in Ich-Perspektive teilhaben. Emotionen werden durch ausführliche innere Monloge und insbesondere durch die körperlichen Reaktionen der Protagonistin auf ihre Gedanken und Gefühle anschaulich dargestellt. Dadurch kann man sich gut in ihre Erfahrungswelt hineinversetzen. Neben den Monologen treiben vor allem Dialoge die Handlung voran, weshalb mir andere Sinneserfahrungen und Situations- und Umgebungsbeschreibungen im Mittelteil leider etwas zu kurz kommen.

Die Handlungen der Hauptfigur konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen. Das gilt vor allem für die merkwürdige Beziehung, die sie führt und die damit verbundenen Konflikte, die sich daraus ergeben. Der Wechsel in der eigenen Einstellung zu bestimmten Personen geschah mir manchmal zu plötzlich und erschien mir nicht immer realistisch. Die Auflösung der Geschichte empfand ich jedoch als glaubwürdig.

Das Buch liest sich schnell weg, es ist kurzweilig und unterhaltsam. Sprachlich ist es einfach gehalten: Viele, scheinbar im Stakkato abgefeuerte Sätze bestehen oft nur aus wenigen Wörtern. Das vereinfacht den Lesefluss und erhöht das Lesetempo, kostet aber auch ein bisschen sprachlichen Charme. Trotzdem eine rasante und besondere Geschichte, welche die Elemente verschiedener Genres auf ungewöhnliche Weise miteinander verbindet.


Fazit:


Mir hat die Lektüre dieser originellen Story Freude gemacht. Wer auf spannende Geschichten mit psychologisch fundierter Basis steht, kommt auf seine Kosten.

Das Buch wurde mir vom Autor zur Verfügung gestellt. Dafür danke ich herzlich. Meine Meinung hat dies nicht beeinflusst.

Quelle: Cover und Handlung