Donnerstag, 29. Oktober 2020

Zweifel und Selbstzweifel während des Schreibens und danach - Wie du sie überwindest und dein Standing als AutorIn vor dir selbst stärkst

Aus der Autorenwerkstatt
Ich kann das ja gar nicht!

Manchmal kommt dieser Punkt - oft während des Schreibens, manchmal sogar bereits schon, bevor man überhaupt angefangen hat: Man liest das bereits Geschreibene oder überdenkt die Idee des eigenen geplanten Buchs und denkt: 

"Scheiße, ich kann das ja überhaupt nicht! Das ist Murks! Das wird schlecht! Jede Sekunde, die ich da hinein investiere, ist für die Tonne!" 

Fortan quälen sie dich bei jedem Satz, diese fiesen Einflüsterer, die vehement von dir fordern, die Brocken hinzuwerfen! Es kann sein, dass sie dich davon abhalten, deine Geschichte überhaupt jemals zu Papier zu bringen oder erfolgreich zu beenden!

Der Schreibprozess ist nicht immer angenehm und mit vielen Stolpersteinen verbunden, über die du bis zu deinem fertigen Buch springen musst.

Möglicherweise machst du aber trotzdem weiter, weil du verbissen und auch ein bisschen trotzig bist, weil du deine Geschichte einfach schreiben willst, weil sie in dir brennt und um jeden Preis das Licht der Welt erblicken will. Du bekommst den Eindruck, dass das, was du schreibst, vielleicht doch ganz gut ist, steckst all deine Energie und dein Können in den Text, wächst mit und an ihm, wirst besser, klarer, fokussierter! 

Das Projekt entsteht, nimmt Fahrt auf und irgendwann hast du es geschafft: Dein Buch ist allen Zweifeln zum Trotz fertig geworden! Dem Endergebnis ist nicht anzusehen, dass es Stunden voller quälender Sinnfragen in sich trägt. Es ist gut geworden, findest du. Und fühlst Stolz, es geschafft zu haben, ein Ergebnis vorweisen zu können, ein Ziel erreicht zu haben.

Nun könnte man denken, du befändest dich am Ende des Weges, den ein Zweifler zu gehen gezwungen ist: Ein Verlag veröffentlicht dich oder du fuchst dich in das Selfpublishing ein. Aber es ist nicht das Ende! Es kann vielmehr der Anfang von noch viel größeren Zweifeln und Komplexen sein! Nämlich dann, wenn sich dein Buch nicht wie gewünscht verkauft oder vergeblich auf zahlreiche positive Besprechungen wartet. Wenn es deine eigenen und die Erwartungen der LeserInnen nicht erfüllt... Wenn es nicht gesehen und wahrgenommen wird... Wenn es schlecht bewertet wird, aus welchen Gründen auch immer. Es gibt tausend und mehr Gründe, warum dein Buchbaby dir auch nach seiner Publikation großen Kummer bereiten kann!

Die Veröffentlichung und die Reaktionen darauf sind nicht die Endgegner. Der Endgegner ist dein eigenes Urteil, das DU über deinen Prozess deines Schreibens fällst.

Denn die fiese Stimme von früher holt dich wieder ein "Das ist Murks!" Du erinnerst dich? 

Oder dich erreicht das berühmt-berüchtigte Loch nach der Fertigstellung und Veröffentlichung deines Buchs, das Leere und Melancholie hinterlässt. Die unglaublich vielschichtige und fleißige Arbeit ist getan, aber sie bringt einfach nicht das gewünschte Ergebnis und du bekommst zu den Gefühlen von Scham, Enttäuschung, Ärger und Traurigkeit auch noch dein Eindruck, die Arbeitszeit sei verlorene Lebenszeit gewesen und fängst an, an der ganzen Sache grundlegend zu zweifeln. 

Ein nächstes Buch nimmst du vielleicht nicht in Angriff. Dein Selbstbild schließt den Bereich "Schriftsteller" womöglich künftig aus. Und statt dich voller Stolz und Tatkraft dem Marketing zu widmen, duckst du dich wie ein kleiner Loser in die hinterletzte Ecke und bist dir sicher, nie mehr etwas Sinnvolles auf die schriftstellerischen Beine zu stellen. 

Spätestens dann gerätst du in gefährliche Nähe der Frage, welchen Sinn das alles (noch) macht und wirst früher oder später resigniert mit der Antwort "keinen" deinen Traum vom Schreiben ad acta legen. Das Schreiben ist ein persönlicher, intimer Prozess und er macht sehr angreifbar und verletzlich. 

Mich überkamen früher manchmal Selbstzweifel, nachdem ich ein handwerklich besonders gutes Buch gelesen hatte, das ich nicht mehr aus der Hand zu legen vermochte. Dann schoss mir durch den Kopf: "Egal, wie gut du bist, SOWAS wirst du niemals schaffen!" Klar, dass solche Gedanken von Gefühlen begleitet werden, die das Selbstvertrauen untergraben, die Motivation hemmen und dem nächsten Projekt ein ziemlich fieses Bein stellen. 

Ehrfurcht und Anerkennung für die Leistung Anderer ist eine tolle Sache, aber wenn sie den Mut und die Freude am Schreiben rauben, dann werden sie zum Problem. Natürlich lag das Problem nicht bei den tollen Büchern und Autoren - im Gegenteil, die können mit der richtigen Einstellung sehr inspirierend sein - sondern in meiner eigenen Unsicherheit und ungesunden Denkmustern.

Genau denen will ich mich heute widmen, weil ich weiß, dass sie weit verbreitet sind. Es ist fast so, als wäre eine Autorenseuche in Gange, die dann und wann mit einer großen Impfung Realismus bekämpft werden muss. Denn kaum eine andere Berufsgruppe scheint so intensiv von Zweifeln eingeholt zu werden und sich ihres eigenen Tuns so unsicher zu sein, wie Schriftsteller es manchmal sind. Oder würde ein Arzt auf die Idee kommen, sich nach jeder gelungenen OP mit der Frage zu quälen, ob der Patient nicht vielleicht doch stirbt? Wie viele Gedanken verschwendet ein Gärtner an die gesetzten Pflänzchen über die Pflege hinaus? Bei wem sucht der Anwalt die "Schuld", wenn er einen Prozess verliert? Die Parameter des "Erfolgs" werden angesichts hochdotierter Preise und bedeutender Beststellerlisten für schreibende Menschen scheinbar (!) außerordentlich hoch gesetzt und wir wissen ja: Wer in unserer Gesellschaft nicht auf dem Siegertreppchen steht, ist ein Verlierer. Er erhält NUR die Teilgenommen-Urkunde, die man besser nicht stolz herumzeigt.

Ich liste dir Denkfallen rund um das Schreiben eines Buchs und die damit verbundenen möglichen Selbstzweife, die häufiger auftreten, auf. Und ich schlage dir Alternativen der Interpretation oder praktische Ideen zur Lösung des jeweiligen Problems vor.

Typische Zweifel und Selbstzweifel von Autoren:

Ich bin nicht gut (genug).

Wie du ja weißt, ist jeder von uns ein ganz besonderer Mensch mit einer einzigartigen Zusammenstellung individueller Fähigkeiten, Eigenheiten und Talente. Das gilt auch und gerade für Künstler! Geschmäcker sind verschieden: Einige werden deine Texte mögen, ander nicht, ein paar werden sie vielleicht lieben. Das ist in Ordnung und eine realistische Sichtweise mit der man gut leben kann, oder?

Und welche Rolle spielen Urteile? Geht es nicht manchmal auch um Wachsen und Lernen, Experimentieren und Ausprobieren? Je mehr du schreibst, umso besser wirst du werden, du wirst dazulernen und das Gelernte immer erfolgreicher umsetzen! Nimm dir diese Chance nicht, indem du von vornherein unmöglich hohe Abnsprüche an dich selbst stellst! Das Leben als Schreibender sollte dein Spielplatz sein, nicht dein Schlachtfeld. Klar geht es auch um das Ergebnis. Aber nicht nur! Zuweilen ist der Prozess auch Selbstzweck und die eigene Entwicklung eine lebenslange Aufgabe.

Ganz abgesehen davon hast du schon eine Meisterleistung vollbracht! Wie viele Bücher werden erträumt, aber nicht geschrieben? Deins ist auf dem Markt! Du hast Mut und Fleiß bewiesen! Du verfügst offenbar über eine Menge Fähigkeiten, die man unbedingt braucht, um bis dahinzukommen, wo du jetzt stehst. Die eigentliche Qualität deines Textes ist eine ganz andere Frage, die davon unberührt bleibt.

Ich werde nicht gesehen.

Ja, das ist wahr und erstmal eine bittere Pille, die es zu schlucken gilt. Waren es 70.000 Neuerscheinungen, die jedes Jahr in Deutschland den Markt fluten? Wie vielen anderen Autoren fehlen dir vielleicht auch Vitamin B und / oder die finanziellen Mittel, um groß angelegte, wirksame Werbekampagnen zu starten und dann haderst du mit Voraussetzungen, die du sowieso nicht ändern kannst. In bestimmten Ligen spielst du einfach nicht mit, egal, was du ablieferst. Darüber kann man verzweifeln - oder man kann sich über die Möglichkeiten freuen, die man hat.

Als ich damals mit dem Schreiben anfing und mein erstes Manuskript fertig war, war Selfpublishing nicht nur unüblich, sondern undenkbar! Ich träumte nicht von Bestsellerlisten oder Preisen, sondern nur davon, mein Buch gedruckt in den Händen zu halten! Angesichts dieser sich rasant entwickelten Möglichkeiten, heute eigenständig auf den Markt zu gehen, steht mir etwas Bescheidenheit gut zu Gesicht. Ich schreibe, ich publiziere. Vielleicht nimmt mich nur eine Handvoll Menschen wahr. Aber das ist schon mehr, als ich vor zwanzig Jahren zu träumen gewagt hätte. Und diese populäre neoliberale Unterstellung, jeder könnte alles schaffen, wenn er sich nur genug anstrenge, ist sowieso eine Lüge, die auch in anderen Lebensbereichen für viel Unglück und Überforderung sorgt. Chancen sind ungerecht verteilt und Voraussetzungen sind nicht immer für alles gegeben.

Deswegen mein Rat: Akzeptiere. Hadere und zaudere nicht. Erfreue dich an dem, was du bislang geschafft hast. Höre auf zu vergleichen. Urteile weniger. Folge mehr deiner inneren Berufung, denn die kennt den richtigen Weg genau. Entwickle dich, entfalte dich, suche weiter. Orientiere dich an Werten und Idealen, die deinem Wesen entsprechen - nicht der Gesellschaft und auch nicht deinen (potenziellen) Lesern. Bleib authentisch und verbiege dich nicht. Du siehst dich selbst - das ist der erste Schritt.

Hilfreich ist außerdem, sich zu überlegen, was dein Alleinstellungsmerkmal ist, was also deine Bücher zu etwas wirklich Besonderem macht und um dieses Merkmal herum deine Marketingstrategie aufzubauen. 

Ich habe Kritik erfahren und das hat mich verletzt.

Gute, sachliche und im besten Fall wohlwollend formulierte Kritik ist immer hilfreich. 

Bedanke dich dafür und nimm davon an, was dir sinnvoll und nützlich erscheint. Es kann nur dafür sorgen, dass du noch besser wirst! 

Entscheide aber auch, wenn eine Kritik nicht fair, angemessen oder sogar beleidigend ist, diese auch innerlich weit von dir zu weisen. Es bleibt dir unbenommen, dich vor demotivierendem, womöglich ungefragtem Feedback zu schützen! 

Wie die Sonne ist Kritik per se nicht nur gut und auch nicht nur schlecht, sondern Dosierung und Ausprägung machen den Unterschied: Eine vernünftige Portion ist notwendig und erhellend, aber zu viel und auf Dauer entstehen Krankheiten. 

In letzter Konsequenz sind im Übrigen immer deine eigenen Urteile und Vorlieben der richtige Maßstab: Das muss so sein, wenn du authentisch bleiben willst!

Ich finde meine eigene Stimme / meinen Stil nicht.

Hier macht Übung den Meister. Du wirst mit wachsender Erfahrung immer unverwechselbarer schreiben, denn während des Tuns bildet sich der eigene Stil automatisch heraus, wie eine persönliche Handschrift. Gib dir ein bisschen Zeit und erlaube dir auch Experimente! Gut beraten ist man immer, wenn man die eigene Intuition ins Boot holt und sich nicht allzuviel nach außen orientiert. Kreativitätstechniken helfen, Inspiration bringt Anstöße und es lohnt sich auch, die Werke anderer Autoren zu studieren, um von ihnen zu lernen.

Viele Autoren haben außerdem den Wunsch, einen eigenen Stil zu haben, vielleicht sogar einen besonderen Stil - stürzen sich aber mit dem gleichzeitigen Anspruch, allen gefallen zu wollen, in Verwirrung. Klar ist: Du kannst speziell sein oder (nahezu) ALLEN gefallen. Beides gleichzeitig ist eine sehr sportliche, weil widersprüchliche Herausforderung! Findest du deinen Stil und ist er besonders, rückst du vom Mainstream weg. Schreibst du so wie viele Andere, gehst du in der Masse unter und erschaffst keine Unverwechselbarkeit. 

Was also ist dir wichtiger? Der Anspruch deiner potenziellen Leser - und davon möglichst viele - oder dein eigener und deine Verpflichtung gegenüber der Kunst?

Verabschiede dich außerdem von der Vorstellung, du könnest einen Stil kreieren, der ausnahmslos jeden Menschen anspricht: Wenn der sogenannte Mainstream Möglichkeiten dieser Art auch vorgaukelt (und dabei unausrottbar zu sein scheint), so ist DAS ultimative Buch doch noch nicht geschrieben und DER optimale Autor noch nicht in Erscheinung getreten. Es bleibt also sinnlos, einem Phantom nachzujagen und dann kann man auch gleich sein ganz eigenes Ding machen.

Ich verkaufe zu wenig Bücher.

Es scheint allgemein angenommen zu werden, aber ein guter Autor ist nicht automatisch auch ein guter Unternehmer. Du bist als Schriftsteller in der Regel kein Marketinggenie und es kostet Zeit und viel Mühe, sich auch nur einen Grundstock an Wissen über diese Themen anzueignen. 

Und auch viele Verlage, vor allem die kleineren, straucheln oft angesichts ihrer eingeschränkten Möglichkeiten, die die Alphatiere der Branche ihnen übriglassen. Wenn ein knallhart umkämpfter Markt, ökonomische Interessen und das Künstlertum aufeinandertreffen, sind Konflikte vorprogrammiert. Auch innere!

Du kannst natürlich nach Kräften werben! (Anregungen für Maßnahmen gibt es zuhauf im Netz, teilweise zusammengestellt von echte schlauen und versierten Leuten.) 

Doch da stellt sich natürlich die Frage, wie viele Kosten eine Tätigkeit verursachen darf, die dir eigentlich etwas geben soll. Werde dir deshalb zunächst darüber klar, welchen Stellenwert deine Schreibtätigkeit für dich hat: Warum schreibst du und für welches Ziel? Für den Markt? Für einen Verlag? Für den Leser? Weil es Spaß macht und dich erfüllt? Weil du nicht anders kannst und es wie ein Ruf ist, dem du folgen musst? Und worum geht es dir? Um Anerkennung? Erfolg? Einkommen? Oder darum, dich auszuleben und in deiner Welt, in der man sowieso schon in den meisten Bereichen in eng gesteckten Normen, Regeln und Konventionen feststeckt, deinen Stiefel durchzuziehen? 

Entscheide dich, worum es dir geht und söhne dich mit den Konsequenzen aus. Du kannst nicht alles haben. Dein Fokus wird immer dazu führen, dass andere Bereiche im Schatten verbleiben.

Dann kannst du zum Beispiel in Marketing investieren, dir selbst Wissen darüber aneignen und umsetzen oder deine Energie für andere Dinge verwenden. Falls du Marketing betreiben willst, ist es sinnvoll, dir einen strukturierten Maßnahmenplan mit Zielen und Methoden zu erstellen und diesen dann schrittweise zu verfolgen.

Vielleicht findest du auch einen Weg zwischen den Extremen, mit dem du dich wohlfühlst und der von allen Seiten möglichst viele Vorteile vereinigt. Falls du einen weißt, lass es mich wissen!

Schreiben ist und macht einsam.

Das stimmt, allein am PC und mit den Gedanken bei deinen Figuren bist du in einer ganz eigenen Welt, die die echte im Grunde ausschließt. Du kannst allerdings rund um dein Buch trotzdem in Austausch mit anderen Menschen gehen, indem du es in Gesprächen thematisierst oder aktiv um Unterstützung bittest, wenn du sie brauchst. 

Vor allem Menschen, die selbst schreiben, eignen sich dafür sehr gut - und viele sind wirklich offen dafür. Versauere nicht hinter deiner Tastatur, sondern bring deine Ideen ins Leben und teile deinen Prozess, bis du die einsamen Stunden der Ruhe und Erholung erneut ersehnst und erstmal eine Runde abtauchen musst.

Mir fehlt Handwerkszeug.

Es kann Sinn machen, sich erzähltheoretisches Wissen anzueignen, wenn man in diesem Bereich tätig sein will. Nicht nur, weil es die Arbeit qualitativ hochwertiger macht, sondern weil es auch mehr Freude bereitet, wenn man weiß, was man tut, statt instinktiv durch einen dunklen Tunnel zu stolpern. 

Es gibt Kurse und Seminare zu den verschiedensten Themen rund um das Schreiben. Zahlreiche Bücher können das Studium ergänzen oder zur autodidaktischen Weiterbildung genutzt werden. 

Du wirst sehen, das macht Spaß - und das neu erlernte Wissen das auszuprobieren erst recht! Klick dich einfach mal durch die Suchmaschine und suche dir etwas raus, was zu dir passt. Die Grundlagen kann man lernen und dafür braucht es keine Universität und kein Abschlusszertifikat!

Ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll.

Diesem Thema habe ich einen eigenen Artikel gewidmet. Dort findest du Inspirationsvorschläge.

Es kommt mir mühsam und sinnlos vor.

Ja. Manchmal ist es das. Aber wenn du zum Schreiben geboren bist, dann hast du keine Wahl. Egal, wie sich deine Texte entwickeln, sich deine Verkäufe gestalten, sich dein Ruf festigt oder auch nicht - du wirst unglücklich sein, wenn du dir das Schreiben verwehrst, und dir wird immer etwas fehlen.

Letztens sah ich beim Spazierengehen am Weserstrand eine beeindruckende Sandburg, die ein Vater mit seiner Tochter gebaut hatte. Ich beobachtete mit einem kleinen Lächeln, wie die Wellen sich dem kleinen Kunstwerk näherten und es schließlich mit nur zwei, drei Schlägen in die Tiefe zogen. Kaputt und zerstört - Wie sinnlos war es, sie zu bauen, könnte man denken. Aber Vater und Tochter merkten den Verlust gar nicht, denn sie waren schon beim nächsten Projekt und planschten unbeschwert im Wasser herum. 

Schlussgedanke: Zweifel sind nicht immer schlecht. 

Zum Schluss sei gesagt, dass Zweifel nicht immer nur negativ sein müssen. Eine gewisse Anzahl an Zweifeln ist dem menschlichen Denken erlaubt und üblich. Zweifel helfen uns dabei, Einstellungen und Urteile immer wieder neu zu überdenken und zu prüfen, ob sie noch richtig und passend für uns sind. Sie tragen zur Selbstreflektion bei, fordern unseren Ehrgeiz heraus und korrigieren falsche Richtungen. Nur überhand nehmen dürfen sie natürlich nicht.

Donnerstag, 22. Oktober 2020

Eine Liebeserklärung an Oscar Wilde - Wie "Zeugnis einer Liebe" entstand

Diese kleine Geschichte ist fast schon banal, so simpel hat sie sich zugetragen.

Als Fünzehnjährige verfiel ich der schönen, gewaltigen Sprache und den Ideen des irischen Schriftstellers Oscar Wilde. Ich lieh mir alle Werke und Biografien aus, die ich finden konnte, ließ sie mir sogar aus Großbritannien mitbringen. Ich bat die nette Dame in der Schulbücherei, mir die grisseligen Schwarzweiß-Bilder aus den Büchern zu kopieren und hängte sie mir über den Schreibtisch. Ich recherchierte und suchte wie ein Trüffelschwein nach mehr Informationen.

Neben seinem Werk ließ mich vor allem seine tragische und irgendwie unglaubliche Lebensgeschichte nicht mehr los und irgendwann setzte ich mich an den Computer und entwarf eine Handlung, die das Leben des viktorianischen Dichters nachzeichnete, sich aber in die heutige Zeit einbettete. Eine moderne Variante einer alten Geschichte, sozusagen.

Mein Protagonist Fingal Flaherty trug die (unbekannteren Namen) Wildes und erlebte, was er wohl erlebt haben mochte: Liebe, Leidenschaft, Zusammenbruch, den völligen Verlust von allem, was einst sein Leben ausgemacht hatte, einschließlich desselben. 

Während ich den Roman schrieb, war ich selbst in diesem fremden Dasein, als wäre ich leibhaftig dabei gewesen und es war eine großartige Erfahrung, weil ich irgendwie auch selbst über mich hinauswuchs, indem ich mir diese widersprüchliche und dramatische Story zu eigen machte.

Das Buch wurde 2006 vom Ancient Mail Verlag angenommen und in einer kleinen Auflage produziert. Auf dem Buchrücken steht, es sei eine Liebeserklärung von der Autorin an Oscar Wilde - und das ist es auch.


Dienstag, 20. Oktober 2020

Rezension: "Das unerwünschte Mädchen" von Tina Hope

Handlung:

Als die Erwachsenen ihr alles nahmen, war Mandy ein kleines, hilfloses Kind.
Tägliche Misshandlungen und Erniedrigungen, sowie sexuelle und körperliche Gewalttaten zerstörten ihre reine Seele und beschmutzen ihren Körper. Die Angst war von da an ihr Wegbegleiter. Ihre Seele spaltete sich ab und sie schaute von oben zu. Um die täglichen Erniedrigungen zu ertragen, flüchtete Mandy in ihre selbst erschaffene Welt.
Und dann kam plötzlich der Tag, an dem sie sich wie ein Phönix aus der Asche erhob.
Mit einer Stärke und dem Mut, der ihr bis dahin fehlte.
Doch reicht die gewonnene Kraft, um ihr Leben neu zu gestalten und es zum Guten zu wenden?

Mein Eindruck:

Dieses Buch hat viele Herzen berührt. Es schildert klar, chronologisch und in einer einfachen, gut verständlichen Sprache die Misshandlungen an einem kleinen Mädchen, das von seinen überforderten und alkoholkranken Eltern nicht gewollt ist und in eine Pflegefamilie kommt. Dort erlebt es einen nicht enden wollenden Alptraum, weil mehrere Menschen, die es eigentlich lieben und beschützen sollen, das Kind misshandeln und missbrauchen. Selbstverständlich kann sich in einer solchen Umgebung und dank solcher Erfahrungen keine selbstsichere Persönlichkeit entfalten, weshalb das Mädchen von einst schüchtern, ängstlich und unsicher bleibt und immer wieder in manipulative Beziehungen gerät, die den Himmel versprechen, aber die Hölle im Gepäck haben. Die Gewalterfahrungen ziehen sich daher auch das Erwachsenenleben dieser Frau und die Vergangenheit streut ihren langen Schatten in alles, was erlebt, gedacht, gefühlt und getan wird. 

Der Bericht - es ist mehr ein Bericht als eine Erzählung - weckt Entsetzen, macht betroffen. Man möchte sich die aufgerissenen Augen reiben und fragen: "Wie kann das alles wahr sein?" Es ist schwer und unangenehm, sich in die geschilderte Welt hineinzuversetzen, denn die erfahrene Not ist allzu intensiv beschrieben. Trotzdem finde ich es gut und wichtig, Bücher dieser Art zu lesen. Zum Einen geben sie Einblick in eine Welt, die in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden muss, weil diese Themen leider immer aktuell bleiben. Zum Anderen brauchen Gewaltopfer eine Stimme, vielleicht, um sich selbst "gesundzuschreiben", auf jeden Fall aber, um in ihrer eigenen, ganz persönlichen Not gehört zu werden.

Tina Hope ist ein wahnsinnig lieber, mitfühlender, empathischer Mensch, der im Leben vieler ihrer Mitmenschen kleine und größere Kerzen entzündet. Dieser sanfte, liebevolle Kern ist in der Hauptfigur anzutreffen und macht die Betroffenheit beim Lesen umso größer. 

Hinter dem Buch steht kein komplizierter literarischer Plot: Es schildert unverblümt und auf eine simple Art grauenvolle Lebenserfahrungen, die wirklich unter die Haut gehen. Durch die holzschnittartige Zeichnung der Täter und die einfache Sprache treten die Mechanismen und Dynamiken, die hinter Gewaltstrukturen stehen, noch deutlicher zutage: Die Erfahrungen in der Jugend und Kindheit prägen das Fühlen, Denken und Handeln in der Zukunft massiv. Man kann nachvollziehen, wie und warum ein derart geprägter Mensch immer wieder in dieselben Strudel von seelischer, körperlicher und sexueller Gewalt hineingerät, denn wenn man so etwas erlebt, dann wird vor allem der eigene Kopf zum ärgsten Feind: Man hält sich selbst für wertlos und schafft es nicht mehr, die nötigen Grenzen zu ziehen, um sich zu schützen. All das verrät dieses Buch, wenn man es aufmerksam und zwischen den Zeilen liest.

Es zeigt aber vor allem auch eine warmherzige und wertvolle Persönlichkeit, die sich trotz allem nicht unterkriegen lässt. Es ist mutig und stark, eine solche Lebensgeschichte mit der Öffentlichkeit zu teilen. Es macht angreifbar und noch verletzlicher und kostet daher Überwindung, die Respekt und Anerkennung verdient. Vor allem ist es aber eine hilfreiche Art des Umgangs mit entsetzlichen Erfahrungen, die ein/e Betroffene/r für sich selbst greifbarer macht, indem sie/er sie in eine zusammenhängende Geschichte bringt. 

Wir alle erzählen Geschichten, um nach Verletzungen wieder heiler und ganzer zu werden - und für Gewaltopfer gilt das ganz besonders. Tina Hope gibt sich selbst die Stimme, die all die Jahre nicht zu hören war - und das ist wirklich das Beste, was sie tun kann, um TROTZ der und MIT den Erfahrungen ein erfüllendes und glückliches Leben zu führen. Sie kann damit anderen Betroffenen eine Identitfikationsfläche erschaffen (Dieses "Du-bist-nicht-allein-Gefühl) und Außenstehenden Verständnis ermöglichen, Zusammenhänge offenlegen und Hintergründe aufzeigen. 

Achtung: Das Buch kann als Trigger dienen und Flashbacks auslösen. Wenn du selbst von Gewalt betroffen bist oder warst, taste dich vorsichtig heran und achte auf deine eigene innere Stabilität beim Lesen.

Fazit:

Eine sehr persönliche und subjektiv erlebte Geschichte, die schnell gelesen ist, aber lange im Gedächtnis bleibt. Es ist eins dieser kostbaren und wichtigen Bücher, die das Thema "Gewalt" im Fokus behalten und hat daher auch gesellschaftliche Relevanz. Tina gilt mein tiefes Mitgefühl, aber auch die Zusicherung, dass sie ihren eigenen Weg trotzdem beharrlich weitergehen wird. 

Das Buch wurde mir von der Autorin zur Verfügung gestellt. Dafür danke ich herzlich. Meine Meinung hat dies nicht beeinflusst.

Quelle: Cover und Handlung

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Hilfe! Mein Buch geht nicht voran! - Umgang mit Schreibblockaden

Aus der Autorenwerkstatt
Nichts geht mehr!

Gerade warst du noch gut drauf und in der Erstellung deines Buchs mittendrin und plötzlich geht gar nichts mehr? Keine Sorge, der Zustand ist völlig normal und nicht von Dauer! 

Wenn du so lange nicht warten willst: Es gibt ein paar Tricks, wie du die Flaute im Kopf in den Griff bekommst und eine Schreibblockade aktiv beenden kannst. 

Wie du das machst, ist abhängig von den Gründen, die zur Schreibblockade geführt haben. 

Ich werde dir nicht nur verschiedene Gründe vorstellen, sondern auch dazu passende Lösungsideen entwerfen, die du für dich nutzen und nach Bedarf an deine Bedürfnisse anpassen kannst. 

Überlege dir also, wenn dich eine Schreibblockade überkommt, genau, warum das der Fall ist. Der Grund ist der passende Schlüssel für den richtigen Umgang damit.

Gründe für Schreibblockaden und Lösungsvorschläge:

  • Grund: Unrunde Geschichte

Deine Geschichte ist nicht rund. Dein Plot hat Logiklöcher oder unpassende Stellen. Deine Sprache beißt sich mit der Handlung. Deine Perspektive ist unglücklich gewählt. Du hast vielleicht vor dem Schreiben zu wenig oder das nicht Passende entworfen. Oder, oder, oder! Wo passt etwas nicht?

Lösungsideen:

Irgendwo hakt es noch und dass es nicht weitergeht, ist nicht nur ein guter Beweis dafür, sondern auch ein Segen, sonst würdest du nämlich schreiben und schreiben und erst danach feststellen, dass etwas nicht richtig ist. Und von vorn anfangen! 

Schaue dir deine Story und das bisher Geschriebene (oder Geplante) an und überlege, wo etwas nicht passt oder ineinandergreift. Überarbeite deinen Plot und / oder deine Figuren. Entwirf alternative Szenen, spinne herum, denke die Geschichte von hinten oder ganz verrückt. Verändere das Gerüst, damit dein Textbau gesund weiterwachsen kann.

  • Grund: Keine Zeit

Du hast in deinem Alltag keine Zeit, weil du dir zu viele Pflichten aufgehalst hast und dir keine Zeit für dich selbst einplanst.

Lösungsideen: 

Delegiere, verändere oder streiche Aufgaben. Specke Todo-Listen ab. Passe Abläufe, Routinen oder Strukturen an. Reduziere Arbeitszeit. Gib ungeliebte und vielleicht nicht mehr notwendige Tätigkeiten auf. Fordere von deinen Mitmenschen mehr Beteiligung und Unterstützung. Gehe mit deinem Perfektionismus (?) und deinen Erwartungen an dich selbst und ins Leben ins Gericht. Schaffe Freiraum, den du für dich nutzen kannst. Werde dir über die Werte klar, die dich im Leben leiten und setze deine Prioritäten neu. 

Wenn du das alles nicht schaffst, hast du ein Problem in den Bereichen Selbstbehauptung / Grenzen setzen / Selbstfürsorge und solltest dich darum kümmern, dein Denken und Handeln in kleinen Schritten zu ändern.

  • Grund: Leerer Kopf

Du hast keine Ideen, dein Kopf ist völlig leer, obwohl du gern schreiben möchtest.

Lösungsideen:

Das Gehirn und auch die Kreativität als schöpferische Kraft brauchen Pausen. 

Manchmal hilft nichts, als zu unterbrechen, sich abzulenken und zu erholen. Verlasse den Schreibtisch, geh spazieren, führe ein Gespräch, beschäftige dich anderweitig. 

Vielleicht braucht deine Geschichte auch Zeit, um sich zu entwickeln und möchte nicht unter Druck gesetzt werden. Bleibe gelassen und gewähre ihr das ihr inneliegende Tempo ihrer Entwicklung. 

Darüber hinaus sorgt ein buntes Leben abseits der Tastatur auch für mehr Input und Gefühlstiefe. 

Gelegentlich hilft es auch, ein anderes Schreibprojekt anzugehen und das, bei dem es hakt, zunächst auf Eis zu legen, das nimmt Druck raus.

  • Grund: Erschöpfte Energierreserven

Du bist müde oder erschöpft.

Lösungsideen:

Jetzt ist keine Zeit für Produktion, sondern für Erholung und Regeneration! 

Wenn du zum Beispiel an einem Tag schon viel geleistet hast, ist abends kaum noch Energie für das geistig und seelisch durchaus anspruchsvolle Schreiben übrig. In solchen Momenten gönne dir Ruhe. 

Grundsätzlich solltest du überlegen, ob du deine Schreibzeiten optimieren und deinem natürlichen Bio- sowie deinem Lebensrhythmus besser anpassen kannst. 

  • Grund: Du bist gelangweilt

Dir ist langweilig. Deine Geschichte flasht dich gerade nicht? Alles, was dir einfällt, sind Klischees und leere Worthülsen? 

Lösungsideen:

Dann wird es Zeit für eine Abwechslung. Setze ein paar der Inspirationstipps um! Mach einen Ausflug oder eine Reise, konsumiere Kultur, Musik, Literatur, verlass den bequemeen Schreibsessel und beschäftige dich mit anderen Menschen. Du wirst schnell vor Ideen wieder übersprudeln und mit neuer Energie an deinen Text gehen!

  • Grund: Dein Kopf ist zu voll

Du hast zu viel im Kopf. Deine Gedanken kreisen um tausend Dinge, die dich beschäftigen und keinen Raum mehr lassen für die winzigste Fantasie. 

Lösungsideen:

Sortiere und ordne deine verschiedenen Lebensbereiche, gehe die lösbaren Probleme aktiv an und distanziere dich innerlich von denen, auf die du keinen Einfluss hast. Halte Aufgaben und alles, was dir einfällt, schriftlich fest, so geht es nicht verloren und du kannst dich anderen Dingen zuwenden. Führe ein Tagebuch oder ein Gespräch, um mit belastenden Gedanken und Gefühlen klarzukommen. 

Sollte dieser Grund zu mächtig werden, kann es Sinn machen, dir selbst eine Schreibpause zu verordnen, bis du Ordnung in den anderen Lebensbereichen geschaffen hast. Umgekehrt kann es auch ein Energie- und Selbstbewusstseinsbooster sein, das Schreiben bewusst als Prozess der Selbstfürsorge zu verstehen und dem herumhüpfenden Affen im Kopf eine Pause aufzuzwingen, in der du dich auf deinen Text konzentrierst. Das kannst du üben, indem du es immer wieder tust. 

  • Grund: Deine Projekte sind zu zahlreich

Du hast zu viele Projekte unbeendet, die dir im Kopf herumspuken und sich gegenseitig behindern.

So ging es mir neulich: Ich hatte vier Buchideen in der Pipeline, hatte mit allen schon mit mindestens dreißig Seiten angefangen (war also schon bei Punkt acht meiner Liste) und hatte Lust, mit allen weiterzumachen. Und zwar gleichzeitig! Ging natürlich nicht, ich bin ja kein Oktopus, der auf vier Bildschirmen tippen kann und meine Hirnkapazität reicht auch nicht aus, um dabei nicht durcheinanderzukommen.

Lösungsideen: 

Es ist unbedingt nötig, dich (erstmal) für ein Projekt zu entscheiden. Im besten Fall für das, was du nun bis zum Ende durchziehst, bevor du das nächste anfängst. Gern aber auch nur für diesen heutigen Tag und die nächsten Stunden. 

Entscheide dich mit ganzem Herzen intuitiv für das Projekt, das dich gerade am meisten reizt - natürlich nur, wenn du keine Deadline von außen vorgegeben bekommst - und dann blende die anderen Werke aus. Räume die Notizen dafür in die Schublade, mach die Datei zu, schiebe alles Andere weg. Das ist jetzt nicht dran! Je schneller du mit deinem nun auserwählten Projekt vorankommst, umso eher kannst du dich den anderen widmen, also schreite mutig voran!

Wenn du dich nicht entscheiden kannst oder willst, lass den Zufall entscheiden, indem du eine Karte ziehst oder eine Münze wirfst. Wichtig ist nur, dass du dich dann daran hältst, den anderen Projekten keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken. 

Wenn es dir schwer fällt, die Aufmerksamkeit auf nur ein Projekt zu richten, dann unterstütze dich selbst zum Beispiel mit einem Signal, das klarmacht, dass es nun nur um dieses eine Projekt geht. Trinke zum Beispiel eine bestimmte Teesorte, die ausschließlich dafür reserviert ist, nutze für Notizen eine bestimmte Farbe, trage bestimmte Kleidung oder lege besondere Musik auf. 

Falls du dazu in der Lage bist, gleichzeitig oder abwechselnd an mehreren Projekten zu arbeiten, umso schöner, aber dann hast du ja diesen Grund nicht als Problem und darfst gebührend beneidet werden. Jedenfalls von mir, die immer alles gleichzeitig will und sich damit oft selbst ein Bein stellt!

  • Grund: Ablenkung

Du bist abgelenkt. Telefon? Mitmenschen, die etwas von dir wollen? Mails und Klicks und ständige Informationsflut? Der plärrende Fernseher im Hintergrund? Klingelnde Nachbarn? Der jaulende Hund, das brüllende Baby, die klappernde Tür, das tobende Gewitter?

Lösungsideen:

Manche Gründe, die dich ablenken, erschaffst du selbst. Schalte diese ab! Kein Netz, kein Internet, kein Handychecken während des Schreibens! Feste Schreibzeiten und am besten auch einen festen Ort, der dafür vorgesehen ist. 

Mach dir klar, was es dich kostet, wenn du der spontanen Lust nach Unterhaltung nachgibst: Du opferst jedes Mal aufs Neue dafür ein kleines Stückchens deiner Träume! Erziehe dich ein bisschen und lass mal den autoritären Erwachsenen raushängen, wenn das Kind in dir nach Abwechslung plärrt! Du kannst dich ja NACH dem Schreiben damit belohnen.

Häufig sind es aber auch andere Menschen oder Dinge, die uns das Schreiben erschweren, absichtlich oder unabsichtlich. Erbitte dir (oder erzwinge!) freie und ungestörte (!) Zeit für deine Schreibtätigkeit! Sie ist es ganz sicher wert, verteidigt zu werden. Setze daher durch, dass du Ruhe und Muße findest, um dein Projekt voranzubringen und finde für die Faktoren, die stören, Lösungen. 

Babysitter, Kopfhörer und Anrufbeantworter leisten gute Dienste.

  • Grund: Druck und Stress

Stress, Druck und Ängste hemmen dich.

Lösungsideen:

Kläre zunächst, was genau es ist, das dich unter Druck setzt: Befürchtest du, eine bestimmte Deadline nicht zu schaffen? Sind es Erwartungen von außen oder deine eigenen, die dir das Gefühl geben, nicht voranzukommen? Kannst du an den Voraussetzungen etwas drehen? Ansprüche runterschrauben? Mehr Zeit durchsetzen? Erwartungshaltungen auf ein realistisches Maß zurückschrauben? Entscheidend ist, wodurch deine Ängste und der Stress entstehen, denn genau an dem Hebel musst du ansetzen. 

Bleibe in jedem Fall authentisch und verbiege dich nicht, auch nicht für winkende Anerkennung, Erfolg oder wirtschaftliche Einkünfte. Fokussiere dich auf dein Ziel - und nur dein Ziel - und verweigere den anderen Gedanken den Raum, den sie gern für sich beanspruchen, wenn du dies nicht ganz radikal verhinderst. 

In diesen Punkt spielen außerdem massiv die Zweifel und Selbstzweifel hinein, die in einem weiteren Artikel dieser Serie eine Rolle spielen werden.

  • Weitere Lösungen, die sich für verschiedene Gründe anbieten:

Verändere deinen Arbeitsplatz. Stelle die Möbel um, gestalte die Wände neu, erfreue dich mit schönem Büromaterial, hänge inspirierende Bilder auf. Dieser Punkt klingt banal, aber für mich hat er schonmal eine monatelange Phase des Nichtschreibens beendet.

Tausche dich mit anderen AutorInnen aus. 

Nutze Rituale zur Einstimmung, wenn du mit der Schreibarbeit beginnst. Vielleicht ein bestimmtes Lied hören, einen Keks essen, einen Kaffee kochen, dir die Unterlagen zurechtlegen?

Spazierengehen, Sport und Yoga helfen immer. Bewegung im Außen macht auch den Geist beweglich.

Nutze das Automatische Schreiben als Kreativmethode. Einfach eine Viertelstunde drauflosschreiben, alles, was dir einfällt. Mit Hand und Stift übrigens, und ohne auf Rechtschreibung, Forumulierung und Inhalt zu achten. Du kommst dadurch in einen Fluss und schon kann es weitergehen.

Teile dein gerade im Entstehen begriffenes Werk mit einem lieben Menschen, dem du vertraust und der im besten Fall selbst liest und / oder schreibt. Besprich Unklares oder Stellen, über die du stolperst. Hole dir Eindrücke, Vorschläge, Ideen für Verbesserungen. Früher habe ich das niemals getan - kein Mensch hat auch nur ein Wort meiner Bücher gelesen, bevor sie lektoratsreif waren! Damit habe ich mir selbst eine großartige Gelegenheit genommen, mich selbst weiterzuentwickeln und, nicht zuletzt, die Motivation aufrechtzuerhalten. 

Schreibe einfach an der Stelle weiter, wo du gerade bist. Schreibe drauflos und schaue, was herauskommt. Du kannst die Szene dann ja wieder löschen, Hauptsache, du kommst in die Geschichte rein.

Schreibe deine Geschichte so weiter, wie sie auf keinen Fall und unter gar keinen Umständen weitergehen darf! Die Irriation sorgt für einen Kreativschub und vielleicht sogar eine hilfreiche Erkenntnis, wo es tatsächlich hingehen soll.

Beschäftige dich mit verschiedenen Plotmethoden. (Im Netz suchen, es gibt viele tolle Artikel!)

Überarbeite dein Werk. Vielleicht stößt du dabei auf unrunde Punkte (siehe Punkt eins) oder kommst wieder ins Schreiben hinein, zumindest aber hast du das Gefühl, nicht untätig herumzusitzen und trotz der Blockade etwas zu schaffen. 

Bringe eine verrückte Idee in deiner Geschichte unter: Lass zum Beispiel einen Werwolf in deiner Lovestory auftauchen oder einen heiligen Engel in einem knallhart realistischen Thriller. Natürlich musst du die Freaks nachher wieder aus deinem Manuskript löschen, aber sie könnten dir fürs Erste beim Weiterschreiben helfen.

Setze eine kleine Schreibübung um: Beschreibe etwa ganz genau und mit allen Sinnen eine Blume, eine Landschaft oder eine banale Alltagstätigkeit. Diese kleinen Fingerübungen schärfen den Blick und zapfen das Wortrepertoire an.

Hast du eigene Gründe und Lösungsideen für Schreibblockaden? Berichte mir gern davon!

Dienstag, 13. Oktober 2020

Rezension: "Zum Teufel mit Kafka" von Maria Zaffarana

Handlung:

Leopold ist ein schwer gebeutelter Mann. Er hat eine Schwiegermutter, die er hasst und mit der er mehr Zeit verbringen muss, als ihm lieb ist. Warum? Seine Frau will es eben so. Die hat nämlich einen ausgeprägten Mama-Komplex. Das wäre an sich schon schlimm genug, wenn da nicht auch noch der Rest seiner sonderbaren Familie wäre: Seine pubertierenden Zwillinge, der schwerhörige Vater, die verträumte Mutter, die gefräßige Tante und der transsexuelle Bruder halten ihn ganz schön auf Trab. Zum Glück gibt es da noch Gregor, Leopolds einzigen Freund. Der wohnt einsam in einem verlassenen Haus mit Madame Lunette zusammen, einem äußerst einsilbigen Papagei. Doch auch Gregor hat mehr Macken als ein 20 Jahre altes Auto.

Mein Eindruck:

Dass im Klappentext dieses Buchs keine wirkliche Handlung erwähnt wird, geschieht nicht zufällig: Es gibt sie nicht! Vielmehr ist diese Geschichte eine rabenschwarze Momentaufnahme aus dem Leben einer ziemlich schrägen Familie, die mehr durch Marotten, Abneigung und Überdruss zusammengehalten wird als durch Zuneigung und Mitgefühl, wie es eigentlich üblich sein sollte oder wie man es sich insgeheim wünscht. Und das ist toll, denn man muss sich auf keinen komplizierten Plot konzentrieren, sondern kann voller Lust am schrägen Wortwitz einfach eine Seite nach der anderen genießen!

Das Erleben der Figuren beschränkt sich auf ein paar Alltagshandlungen und so brisante Ereignisse wie Familienfeiern und eine gemeinsame Reise. Es passiert augenscheinlich nicht viel, aber im Kopf des personalen Erzählers, der aus Leopolds Sicht seine Erfahrungen zum besten gibt, entzündet sich geradezu ein Feuerwerk von Gedanken und Gefühlen, dem nahezu alle Mitglieder seiner Familie zum Lästeropfer fallen. An kaum jemandem lässt Leopold ein gutes Haar - und dem Leser erscheint es verlockend und reizvoll, auch mal so richtig in diese Denke abzutauchen, die weder politisch korrekt, noch moralisch akzeptabel ist, dafür aber richtig Spaß macht. Denn er ist gnadenlos in seinem Urteil, dieser Leopold! Kein Mensch, mit dem man gern befreundet sein möchte - und dabei auch irgendwie ein armes Würstchen.

Die humorige Sprache passt sowohl zu Inhalt als auch zum Stil dieser kleinen bösartigen Familiengeschichte. Sie steckt voller skurriler Figuren und fieser Seitenhiebe. Die Figuren sind auf eine widerborstige Art liebevoll und präzise gezeichnet, wenngleich sie natürlich in ihrer maßlos übertriebenen Form nicht realistisch wirken. Aber das sollen sie vermutlich auch gar nicht! Es scheint vielmehr, als habe hier eine Autorin einmal lustvoll ein paar Grenzen des guten Geschmacks überschreiten wollen! In jedem Fall besitzt sie eine feine Beobachungsgabe und eine Menge eigensinnigen Humors.

Streift man von den Figuren und den Ereignissen eben jene Übertreibung, die das durchgehende Stilmittel des Romans ist, ab, dann bleibt eine Familie übrig, wie sie vermutlich jeder von uns kennt: Fehlerhafte Menschen mit eigenartigen Charakterzügen, die aus harmonisch geplanten Feten kleine Katastrophen werden lassen und in uns manchmal den Wunsch wecken, auf eine einsame Insel auszuwandern. Deswegen wird das Buch sicherlich viele Freunde finden: Es erinnert den Leser an sich selbst, ob er will, oder nicht!

Fazit:

Der überzeichnete, lustige und gleichermaßen böse Roman hat mir beim Lesen viel Spaß gemacht. Ich finde meine eigenen Verwandten, die natürlich keiner der vorgestellten Figuren auch nur im Ansatz ähneln (!), angesichts dieser Horror-Family gleich nochmal so liebenswert! Laut lachen verschafft übrigens jede Menge Erleichterung in angespannten Psychen. Also, reinlesen und sich seinen Teil zur eigenen buckligen Verwandtschaft denken! Macht Laune!

Das Buch wurde mir von der Autorin zur Verfügung gestellt. Dafür danke ich herzlich. Meine Meinung hat dies nicht beeinflusst.

Quelle: Cover und Handlung

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Wie Hanna ihre Seelenwelten entdeckt und die innere Unzufriedenheit in große Ziele verwandelt - Die Entstehungsgeschichte meines Romans "Fredi"

Aus der Autorenwerkstatt

Von Zeit zu Zeit besuche ich die Sehenswürdigkeiten meiner Geburtsstadt Eisenach und frische sowohl mein Wissen über die Stadtgeschichte als auch meine eigenen Erinnerungen etwas auf. 

So auch an diesem Tag, den ich mit meiner Familie im Bachhaus verbrachte.

Ich sitze nach der Führung und Vorführung der Instrumente in einem der Hängesessel im Museum, Kopfhörer auf den Ohren, eine Bachkomposition erkklingt. 

Ich lehne mich zurück, angenehm träge und von der vertrauten Musik eingelullt. Schließe die Augen, hänge meinen Gedanken nach. Hier war Bach geboren worden...

Ich sehe den kleinen Johann Sebastian vor mir, in der hölzernen Wiege, die in der niedrigen Stube zwischen den Balken steht, die ich gerade noch durchschritten habe. Sehe, wie sein kleiner Kopf in der dämmrigen Schwüle der Georgenkirche vom Weihwasser benetzt wird... Sehe ihn an der Orgel sitzen, die Stirn konzentriert in Falten gelegt, die Perücke feucht von der Anstrengung, den Federkiel in seiner Hand...

Warum, fragte ich mich in jenem Moment, hat noch niemand darüber geschrieben? 

Nicht nur über Bach, sondern über all das Wunderbare und Einmalige, das in dieser Stadt geschehen ist? Die Flucht Luthers auf die Wartburg und seine Bibelübersetzung, die Brände, die Zeit der Heiligen Elisabethm die Pestepidemien, die Pulverexplosion durch Napoleons Truppen, die Besuche berühmter Menschen wie Richard Wagner, Johann Wolfgang von Goethe und noch vielen mehr? Dieser Schauplatz, der quer durch alle Jahrhunderte eine Rolle spielte, bietet sich ja geradezu an, eine historische Geschichte daraus zu spinnen! Wir EisenacherInnen bekamen die Geschichte ja mit der Muttermilch verabreicht und sind irgendwie ein Teil von ihr. Aber aus allen Teilen der Welt strömen Menschen nach Eisenach, um sich mit der denkwürdigen Historie zu beschäftigen, die so vielfältig und schillernd wie kaum eine andere ist!

Gut, dachte ich, wenn es noch keinen solchen Roman gibt, dann schreibe ICH ihn eben! Allerdings wollte ich keinen Historienroman - die LESE ich nicht mal sonderlich gern und deshalb reizte es mich nicht, einfach nur Fakten an Fakten zu reihen. Ich wollte das Gestern im Heute, das Fantastische, das aus seiner eigenen Welt heraus- und in unsere aktuelle Welt hineinrückt. Ich wollte eine Hauptfigur, die zaudert und leidet, wächst und sich entwickelt. 

Ich wollte die Geschichte einer Frau, die am Abgrund steht und Heilung erfährt, indem sie ihre Heimat und ihren Platz in der Welt findet.

Und so fand ich zu Hanna. Hanna, die mit ihrer Familie und sich selbst uneins ist. Hanna, die sich unterbuttern lässt und sich weder privat noch beruflich erfüllt fühlt. Hanna, die zaudert und zweifelt, statt sich mutig auf den Weg zu machen, ihre eigenen Zielen zu erreichen. Dabei hilft ihr nun Fredi, indem er sie in ihre inneren Seelenwelten entführt, in denen ein Auftrag auf sie wartet, der ganz neue Wege vorgibt.

An dem Buch habe ich lang geschrieben, weil jede Zeitreise akribisch recherchiert wurde und sich so eng wie möglich an die Fakten, soweit bekannt, hält. Ich habe während der Arbeit an diesem Buch meine eigene Vergangenheit in dieser Stadt noch einmal Revue passieren lassen und auch meine widersprüchliche, schmerzhafte Erfahrung, plötzlich ohne Heimatland dazustehen und mich in einer neuen, völlig unbekannten Welt zurechtfinden zu müssen, eingebracht. 

Alles in allem ist es nicht nur die Geschichte eine Stadt, sondern vor allem die Geschichte einer Frau, die ihren eigenen Weg und sich selbst sucht und dabei noch eine Menge mehr findet, als sie ursprünglich geplant hatte: Berufliche Erfüllung, Selbstverwirklichung, einen Zugang zu den eigenen Träumen und Wünschen.

Fredi, den klugen, witzigen Gesellen mit seinem großen Herzen und dem scharfen Verstand, gibt es übrigens wirklich. Ich habe ihn als kleines Mädchen von meinen Eltern bekommen. Ob er mich allerdings wirklich des nachts entführt, um auf Zeitreisen zu gehen, kann ich dir leider nicht verraten!

>>> "Fredi" bestellen 

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Dieses Buch ist DEIN Buch! "Collagen, die deine Seele liebt" - Warum? Wozu? Für wen?

Schenke dir eine Auszeit.

Es gibt Zeiten im Leben, die gehören nur uns. Jene Momente, in denen wir die Dinge tun, die wir lieben und in denen wir ganz bei uns selbst sind. Manche Menschen nutzen sie, um Stunden mit Menschen zu verbringen, die ihnen guttun, einem Hobby nachzugehen oder sich sportlich zu betätigen. Viele verbringen sie in der Natur und genießen die Stille der Schöpfung, um sich geerdet und entspannt zu fühlen. Es gibt so viele unterschiedliche Möglichkeiten, die Seelenstunden zu verbringen, wie es Menschen gibt, denn die Vorlieben sind höchst individuell und immer Geschmackssache.

Ob Yoga, Segelfliegen, Kochen, Angeln oder ein Buch am Strand lesen – entscheidend ist nur, dass wir das, was wir tun, mit Hingabe und fokussierter Aufmerksamkeit angehen, damit es uns zu einer Kraftquelle werden kann. Und das wird jede Tätigkeit, die uns näher zu uns selbst bringt, über die wir uns selbst etwas besser kennenlernen und mit der wir all unsere Sinne ansprechen.

Ein wunderbarer Weg, um dies zu erreichen, ist Kreativität. Egal, mit welchen Mitteln und Methoden sie umgesetzt wird: Immer steckt die Grundidee dahinter, etwas Neues und Eigenes mit dem eigenen Hirn und den Händen zu gestalten, einen fast magischen Prozess mitzuerleben und sich selbst als einen Schöpfer zu begreifen. Diese Erfahrung stellt die Seele höchst zufrieden, weil sie beschenkt, ohne dafür etwas zu verlangen.

Eine Waffe gegen Stress, Angst und Zweifel

Die Fantasie kann noch mehr, als uns nur auf unterhaltsame Weise die Zeit vertreiben und den eigenen Schöpfergeist entfalten: Sie kann uns auch dabei helfen, Welten zu kreieren, die über das gewohnte Leben weit hinausgehen. Sie kann Grenzen sprengen, Zusammenhänge ohne rationale Erklärungen erfahrbar machen, uns dem Menschen näherbringen, der wir sind, wenn wir alle unsere Rollen einmal angestreift haben. Und weil sie das kann, vermag sie auch etwas Großartiges: Die kreative Vorstellungskraft kann, wenn sie ausgelebt und umgesetzt wird, Kaputtes zusammenfügen und Verletzungen lindern. Damit werden die Stunden, die wir mit einer erdenden, schöpferischen Tätigkeit verbringen, zu einem Geschenk, das wir uns selbst machen. Sie führen uns ein Stück zu uns selbst zurück und über uns selbst hinaus.

Kreativität schafft es zuweilen sogar, eine Art Wunder zu vollbringen: Sie kann die kleinen und auch größeren Wunden heilen, die das Leben uns schlägt, und uns das Gefühl von Ganzheit geben, das wir seit jeher ersehnen und doch kaum irgendwo finden. Jeder von uns hat Erfahrungen machen müssen, die uns wehgetan und im negativen Sinn geprägt haben. Manchmal kosten sie uns unseren Mut, unser Selbstwertgefühl und sogar unsere Hoffnung.

Um diese Erfahrungen in etwas zu verwandeln, das uns stärkt und in Richtung Vollkommenheit führt, brauchen wir einen Ort, an dem wir uns entfalten und uns ohne Gefahr mit uns selbst beschäftigen dürfen. Nicht, um uns in uns zu verirren und in den schlimmen Erfahrungen hängen zu bleiben, sondern um sie zu einem Schatz werden zu lassen, der uns mit erstaunlicher Kraft auf neue Wege führt, indem er die Schatten integriert und uns die Sicherheit gibt, immer noch handlungsfähig und stark zu sein. Unsere Vorstellungskraft – die Fantasie – ist dabei eine schier grenzenlose Unterstützung. Und unsere Hände, diese kleinen Zauberwerkzeuge der Natur, können umsetzen, was die Fantasie uns einflüstert. Dadurch können wir wieder zusammenführen, was geteilt, und reparieren, was zerstört war.

Was du dabei gewinnst:

In diesem Buch erfährst du, wie du mithilfe von Farben und verschiedener künstlerischer Materialien deiner eigenen Kreativität Ausdruck verleihen kannst, um dich mit einer Tätigkeit zu verwöhnen, die, regelmäßig umgesetzt, dein Denken, Fühlen und Handeln ein Stück weit verändern wird. Du kannst mit einer simplen Anleitung direkt starten und erhältst konkrete Vorschläge und Ideen, die deine Schöpferkraft in Gang bringen. Es wird nicht lange dauern und nicht viel bedürfen, bis du dich im schönsten, buntesten Fluss der Farben, Formen und Bilder begibst und zeigst, was an Schönheit und Freude in dir steckt. Beim Gestalten der Seiten wirst du Ruhe, Erholung und angenehm anregenden Input finden, dieer dein Leben und deinen zuweilen stressigen Alltag in eine neue Balance bringen. Du wirst dich heiler und vollständiger fühlen und dir mehr zutrauen. Du wirst erkennen, was alles in dir steckt und die Lust darauf wecken, noch mehr aus dir herauszuholen. Aber nicht, um dich im Wettbewerb zu messen oder Leistung zu erzwingen, sondern einfach aus Spaß an der Tätigkeit, die gleichermaßen leicht wie effektiv ist.

Keine Angst – trau dich einfach. Du kannst nichts falsch machen und das Ergebnis am Ende des Prozesses ist zu unbedeutendkostbar, um den üblichen gewohnten Druck zu erzeugen. Jedes Mal, wenn du dieses Buch zur Hand nimmst, um darin etwas zu gestalten, geht es nicht mehr um Erfolg oder ein vorzeigbares Resultat, sondern ausschließlich um deine Seele, die ihre Stimme auf unkomplizierte Art zum Erklingen bringen möchte.

Diese Stunden, die dann nur dir gehören, werden dein Selbstvertrauen und dein Selbstwertgefühl steigern. Sie werden dir zeigen, wer du bist, wer du sein kannst und wer du sein möchtest. Sie sind wie ein Bollwerk gegen die Anforderungen eines komplexen und nicht immer ganz einfachen, manchmal sogar ungerechten Lebens. Sie werden deine Zauberwaffe im Kampf gegen Stress und Überforderung. Sie sind schnell in jeden Alltag zu integrieren, denn es genügt, eine halbe oder eine Stunde lang dieses Buch in die Hand zu nehmen und eine der Seiten zu gestalten.

Vergiss nicht, dass du deine Auszeiten nicht geschenkt bekommst: Du musst sie dir nehmen, in jeder Lage und unter allen Umständen! Niemals sollte ein Termin privater oder beruflicher Art so bedeutend sein, dass du deine Auszeit zum Krafttanken dafür opferst. Psychisch, geistig und körperlich gesund zu bleiben ist ein wichtiges und großes Ziel, vielleicht das größte überhaupt in unseren komplizierten Zeiten. Die Chance dafür ist umso höher, je achtsamer und mitfühlender du mit dir selbst umgehst und dazu gehören eben auch die Stunden, die dir allein gehören und in denen du tust, was dich begeistert und glücklich macht. Wir müssen uns diese Stunden nehmen, dem Alltag entreißen und ganz bewusst zelebrieren.

Für wen ist das Buch geeignet?

Menschen, die schon länger und gern kreativ tätig sind, finden vielleicht ein paar Anregungen, die ihre Ideenkiste zusätzlich füllen. Jene, für die „Kunst frei Schnauze“ Neuland ist, werden schnell entdecken, wie einfach und befriedigend es ist, spielerisch einer lustvollen Aktivität nachzuzugehen, die keinerlei negative Aspekte im Gepäck hat.

Die Fantasie ist ein großes Geschenk der Schöpfung an uns, die nichts kostet, jederzeit verfügbar ist, über keinerlei Beschränkungen verfügt und wunderbare Dinge hervorzubringen vermag. Nutze auch du sie, um deine Seele mit einer sanften Berührung zu erfreuen, Lebensfreude zu empfinden, als wandelst du auf einem schillernden Regenbogen. Gib deinem ureigenen Selbst eine Möglichkeit, sichtbar zu werden! Farben sind Magie, Kreativität ist Macht – diese schlichten wie wundervollen Wahrheiten kannst du entdecken, während du deiner Intuition das Steuer eine Zeit lang überlässt.

Lass uns deine Seele entdecken!

Ich möchte dich dazu einladen, direkt loszulegen und unbefangen zu experimentieren. Du wirst schnell spüren, wie gut dir diese Aktivität tut und dich bald auf die Zeiten freuen, in denen du dich nur um deine Kunst und damit deine eigene Seele kümmerst.

Wenn du es schaffst, diese Stunden der Muße und Selbsterkenntnis als etwas in deinem Leben zu installieren, das selbstverständlich und existenziell wichtig ist, dann werden sie zu einer Quelle von Kraft und Stärke, die dich auch in hektischen oder schwierigen Lagen stützen und schützen können. Vertrau dir selbst, vertraue der schöpferischen Kraft, die dir innewohnt. Gehe Wege, die neu sind oder schon lange vergessen. Wage etwas, das deine Seele zum Seufzen bringt. Gib dich hin – und du wirst dich nie mehr verlieren. Ich wünsche dir viel Spaß, Freude und einzigartige Erkenntnisse dabei! Und nun legen wir direkt los!

Dieses Buch ist DEIN Buch:

Dieses Buch ist dazu gedacht, durch dich und von dir vollkommen vereinnahmt und verändert zu werden. Vergiss Hemmungen, Konventionen und Zweifel! Gestalte es, wie es dir in den Sinn kommt! Bekleckse und verschmiere es, klebe und schneide, reiße und modelliere nach Herzenslust!

Drücke dem Buch deinen Stempel auf, denn auch, wenn mein Name auf dem Cover steht, soll es zu einem Werk werden, das am Ende ganz und gar dir gehört. Ich habe nur die Hülle bereitgestellt – den Inhalt darfst DU zum Leben erwecken.

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Dienstag, 6. Oktober 2020

Markus Böttner: Musik, die die Seele berührt - Vorstellung und Interview

Markus Böttner spielt auf einem Konzert
Markus Böttner auf der Bühne

Nach der fünften Klasse - es war zur trubeligen Wendezeit, in der im Osten kein Stein auf dem anderen blieb - musste ich zum Gymnasium wechseln und, was soll ich sagen, es war der blanke Horror! 

Am ersten Tag kannte ich dort keine Menschenseele! Ihr alle wisst selbst, wie klein und unsicher man sich in solchen Situationen fühlt. Neue Schule, sogar eine neue Schulform, neue Lehrer und Mitschüler, neuer Unterrichtsstoff, neuer Schulweg - mir blieb nicht ein einziger Fitzel an vertrauten Dingen. Es erforderte viel Mut in den ersten Tagen, dort überhaupt hinzugehen!

Bis ich Markus traf! 

Wir begegneten uns auf einer kleinen Brücke neben der Schule und sprachen miteinander. Markus war ein sehr freundlicher Klassenkamerad, dessen Gesellschaft alles leichter machte. 

Es ergab sich fortan, dass wir uns eine ziemliche Zeitlang jeden Morgen an der Brücke trafen und die letzten Meter zur Schule gemeinsam gingen. Mein Vater, der mich manchmal mit dem Auto brachte und immer höflich gegrüßt wurde, schloss Markus und seine fröhliche Art sofort ins Herz: "Das ist aber ein wirklich netter Junge!", sagte er und war froh, dass ich mich nicht mehr so allein fühlte, bis ich Freundinnen fand. 

Und so war es fortan, wie ich beobachten konnte, immer! Menschen, die Markus begegneten, waren danach guter Stimmung! Mit seiner warmherzigen, positiven Art und einem feinsinnigen Humor brachte er Sonne in jeden Raum, er wirkte ausgleichend und erdend auf gereizte Seelen und stiftete sicher so manche Friedenspfeife, wenn es irgendwo Ärger gab. (Er wird jetzt sagen, schreib das so nicht, Katharina, das ist ja völlig übertrieben, aber ich schwöre, es ist die Wahrheit!)

Und Markus konnte noch mehr! Er hellte unser Leben mit Musik auf. 

Zuweilen fehlten Lehrer und man versäumte es, uns eine Vertretungskraft zu schicken. Da wir inzwischen alle schwer pubertierten, waren Lärm und Stress zu erwarten. Doch unsere Klasse ohne Lehrer hatte manchmal das Glück, sich im Musikraum zu befinden. Und dann setzte Markus sich an das Klavier und spielte uns Stücke vor. 

Nicht ein Ton (außer der Musik) drang aus dem lehrerlosen Raum der 9a. Wir alle lauschten verzückt und hingerissen, stellten Gespräche oder Konflikte ein und schwiegen, bis die letzte Note verklang. DAS war Markus! Er brachte uns zusammen und schuf Erinnerungen, die heute noch präsent sind.

Markus hat in den letzten Jahren beruflich viele verschiedene Dinge auf die Beine gestellt. 

Er ist Lehrer für Englisch und Sozialkunde geworden und lebte zehn Jahre in Irland, wo er unter anderem lehrte, forschte und Deutsch unterrichtete. Zudem war er ehrenamtlich beim irischen Blindenverband als EDV-Trainer und Übersetzer tätig. Auch die Uni in Galway durfte von seinem Können profitieren, bevor er mit seiner Frau nach Deutschland zurückkehrte. Markus hat nicht nur immer ein offenes Ohr für seine Mitmenschen, er beherrscht auch eine Menge Dinge, unter denen das Dolmetschen und Übersetzen nur einen kleinen Teil einnimmt. Sein schönstes "Projekt" ist aber die Geburt seiner kleinen Tochter Tara, die kürzlich das Licht der Welt erblickte.

Eine besonders intensive Liebe verbindet Markus nach wie vor mit der Musik, allen voran mit dem Klavier und der Gitarre, doch er beherrscht auch weitere Instrumente.

Selbstredend ist Markus, der im Musikraum der Schule alle verzauberte, Musiker, Sänger und Songwriter geworden.

Die Musik, die Markus der Welt schenkt, ist so vielschichtig, dass man sie kaum in eine Schublade einsortieren kann. Sie lässt deutlich das positive und mitfühlende Wesen ihres Schöpfers erkennen, denn sie verschafft beim Hören dieses erleichternde, wundersame Gefühl, dass irgendwie doch alles gut ist. In seiner aktuellen CD thematisiert Markus die Liebe zu seiner neugeborenen Tochter. Die Songs gehen unter die Haut und bleiben im Gedächtnis, wenn man sie einmal vernommen hat.

Genießt die bunten, zarten und doch kraftvollen Klänge und sperrt die Welt für einen Augenblick aus!

>>> in Markus' Musik reinhören

>>> Markus' Youtube-Kanal besuchen 

Ich jedenfalls bin sehr froh und dankbar, dass ich Markus in diesem Leben kennenlernen durfte und wir einander auch in all den Jahrzehnten nicht aus den Augen verloren haben. 

Heute stelle ich Markus ein paar Fragen zu seinem Leben und seiner Musik, die er gern beantwortet hat.

Markus sitzt Rede und Antwort:

Lieber Markus, erzähl uns zunächst ein bisschen über dich. Wer bist du, wo lebst du und was machst du?  

Also, ich heiße Markus Böttner, und das auch schon ziemlich lang. Drei Viertel der Zeitspanne, in der ich schon Markus Böttner heiße, kenne ich auch Katharina. Wir lernten uns in der sechsten Klasse am Gymnasium kennen und trafen uns auf dem Schulweg oft am Brückchen über den Michelsbach. Nach dem Abi zog ich für ein Jahr nach Marburg, um mir von Sozialpädagogen, Blinden und blinden Sozialpädagogen zeigen zu lassen, wie man als Späterblindeter im Leben zurechtkommen kann. Die Sehbehinderung, die mich schon seit kurz vor meiner Geburt begleitet hatte, hatte sich inzwischen als Blindheit in meiner Biografie niedergelassen.

Blindheit ist erst dann eine Behinderung, wenn sie vom eigenen Umfeld oder dem Arbeitsmarkt zu einer Behinderung gemacht wird. Von vorn herein ist es zuerst einmal eine Feinjustierung des Alltags. So ging ich als erster blinder Student an die Uni Bamberg, studierte für ein Jahr in Galway an der wunderschönen irischen Westküste und zog nach dem Studienabschluss in Anglistik und Soziologie auch dorthin zurück. In Irland formte sich mein Charakter als Musiker sehr stark, und neben der Forschung und der Dozententätigkeit in Linguistik und Deutsch als Fremdsprache spielte ich hier und da live, startete meinen Youtube-Kanal und nahm meine erste EP auf.

Seit Juni 2017 wohne ich mit meiner irischen Frau, unserer irischen Katze und seit 2 Monaten auch mit unserer halbirischen Tochter im Werra-Meißner-Kreis - gleich über die Grenze rüber, links von eisenach. Es hat sich der Kreis zur Heimat fast geschlossen.

Erzähle uns gern etwas über dein neustes Werk!

Ich hatte gelesen, dass Kinder im Bauch der Mutter schon ziemlich gut ihre Umwelt auditiv wahrnehmen- und z. B. in der Schwangerschaft gehörte Musik später wieder erkennen können. Praktischerweise war Frau Böttner zufällig gerade schwanger, als ich das las. An einem schönen Julitag dieses Jahres komponierte und improvisierte ich am Klavier herum. Dabei entstand ein Stück, das mir gut gefiel. Auch Frau Böttner äußerte ihren Gefallen daran und fügte hinzu, dass sich übrigens das Baby im Bauch gerade bewegte. Eine Idee war geboren…

Ich widmete das Stück unserer Tochter Tara und stellte mir vor, wie ich es ihr vorspiele, aber an ein Album dachte ich da noch nicht. Einmal spielte ich nach dem Ende des Stücks einfach weiter; und plötzlich gaben sich die ersten beiden Titel musikalisch die Türklinke in die Hand. Ein guter Freund, ein Hypnose-Therapeut, für den ich den Track „Tranquil Hills” ursprünglich als Backing Track für eine Hypnose produziert hatte, befand, dass das alles doch sehr gut zusammenpasst. Ich komponierte noch ein Stück, was sich zwischen die bestehenden Stücke schmiegte und die Sache abrundete. Ich hatte ein Konzeptalbum produziert. Ein dickes Dankeschön fürs Mastering geht an meinen talentierten Freund Daniel Graumann.

Die Veröffentlichung fand dann zwei Wochen vor der Veröffentlichung unserer Tochter statt.

Ich finde, dass es gerade in unserer heutigen Zeit, die durch so viel Unsicherheit geprägt ist, wichtig ist, ab und zu zur Ruhe zu kommen und einfach mal ein paar Minuten die Beine und die Seele baumeln zu lassen. Deshalb wollte ich es auch bei etwas über 20 Minuten Spielzeit belassen. Der Titel „Downtime” bedeutet „Auszeit”; und genau das möchte dieses Album sein: eine Hängematte für die Ohren.

Wann und wie bist du zur Musik gekommen?

Freunde unserer Familie besaßen schon zu DDR-Zeiten ein Yamaha-Keyboard, was mich sehr faszinierte. Ich durfte immer, wenn wir sie besuchten, darauf spielen. Unsere Freunde müssen wohl meinen Eltern zugeraunt haben, dass ich mich gar nicht so doof anstellte und man das vielleicht mal weiter verfolgen könnte. Ein- oder zwei Jahre später brachte mir meine Mutter von einem Besuch bei meinem Onkel im Westen dann ein kleines Yamaha-Keyboard mit, womit schließlich alles begann. 

Kurz nach der Wende nahm ich Keyboard- und Klavierunterricht in der Musikschule von Alexander Blume, mit dem ich vor vier Jahren in Irland zwei Konzerte spielte, und der inzwischen zu einem musikalischen Freund geworden ist. Außerdem habe ich seit der zweiten Klasse auch immer in Chören gesungen..

Wie würdest du deine Musik selbst beschreiben? (Stilrichtung, Wirkung, etc.)

Hierzu fällt mir ein berühmtes Zitat ein, dessen Verfasser mir leider nicht bekannt ist: „Hmm…das ist eine gute Frage.”

Auf meiner EP „Friend of the Family” gibt es Country-Pop, Jazz, Acoustic Folk, Blues Rock und eine Piano-Ballade mit Grunge-Elementen. Die Double-Single „No Rules” biegt scharf in Richtung Disco-Funk ab. Die Single „Lock-In” befasst sich mit dem Thema Piano-Jazz. „Downtime” ist eine EP voller instrumentaler Klavierstücke.

Das Stück „Tara” auf letzterer ist natürlich etwas ganz Besonderes für mich. Fürs erste Kind ein Stück zu komponieren und dann auch bei der Taufe in der Elisabeth-Kirche in Eisenach am Klavier zu spielen…das war eine ganz neue und wunderschöne Erfahrung für mich.

Am meisten stolz bin ich aber auf die groovige Country-Single „Never Walked the Highway”. Mein Freund Christian sagte, in keinem meiner Stücke sei so viel Markus drin wie in diesem. „Never Walked the Highway” ist mein bekanntestes Stück, schaffte es aus 201 Einsendungen eines Musikwettbewerbs auf die Top-25 Promo-CD der Veranstalter, wird von einem befreundeten Radiomoderator in dessen Sendungen auf einem Internet-Radiosender gespielt und ist seit einem Feature in einem Youtube-Video von Marti Fischer bei weitem das meistgesehene Video auf meinem Youtube-Kanal.

Aber ich schweife ab. Wie lautete nochmal die Frage? Ach so, Musikstile. Hmm…das ist eine gute Frage.

Erzähle uns ein bisschen davon, wie du auf die Idee gekommen bist, damals die erste CD einzuspielen und wie deine Erfahrungen dabei waren. Wie bist du vorgegangen?

Meine erste CD mit Eigenkompositionen nahm ich vor zwanzig Jahren auf. Die wurde aber nur an Freunde und Familie verschenkt und nie veröffentlicht. Ich glaube, ich besitze selbst gar keine Kopie mehr davon. Ich müsste sie mir mal wieder von meiner Mutter ausleihen und anhören. ;)

„Friend of the Family” ist meine Debut-EP und ein Projekt, zu dem mich eine gute Freundin anstiftete. Sie hatte mich schon motiviert, einen Youtube-Kanal zu starten und fragte irgendwann, ob ich nicht auch mal was Eigenes auf Youtube hochladen würde. Ich hatte inzwischen ein Youtube-Video übers Songwriting gehört und begann, die Story aus einem Stück einer amerikanischen Sängerin namens Anna Johnson (jetzt Mitchell) aus mehreren Perspektiven in mehreren Liedern zu erzählen. Anna selbst fand das so toll, dass sie mir erlaubte, ihr Stück in einem ganz neuen Kleid zu covern und meine Version stolz auf ihrer Facebook-Seite präsentierte..

Ich nahm Keyboards, Klavier, Gitarre und Bass zuhause in Garage Band auf meinem MacBook auf und programmierte das Schlagzeug. Als ich zum Geburtstag einen Gutschein über drei Stunden Studiomiete in einem Tonstudio in Galway bekam, nutzte ich diesen, um den Gesang aufzunehmen.

Was möchtest du deinen Zuhörern und Fans mit deiner Musik mitgeben? Mit den Texten und Melodien? Hast du eine Botschaft?

Das einzige Stück, das selbständig eine Botschaft entwickelt hat, ist „Never Walked the Highway”. Ich fuhr einmal mit meinem Vater durch die Fränkische Schweiz; im Autoradio lief James Taylor; und ich sagte, dass ich bei vielen Stücken von James Taylor daran denke, wie ich in einem alten, roten Ford Mustang Cabrio vor ziemlich kitschiger Kopfkino-Kulisse auf einem amerikanischen Highway entlang fahre. Mein Vater sagte: „Gib mir Fünf!” Er hatte irgendwie die gleiche Vorstellung; und wir beschlossen, das irgendwann einmal gemeinsam zu machen. Nun, 16 Jahre später, hat es sich zwar immer noch nicht ergeben, aber der Traum ist noch da. Das Lied ist zu einer Art Inventur meiner Träume geworden, dreieinhalb Minuten, um auf die Träume zurück zu schauen, die man mal hatte und sich zu fragen, was aus denen eigentlich geworden ist.

Ich möchte Euch einladen, wenn Ihr „Never Walked the Highway” (hoffentlich ganz oft) hört, euch an die Träume zu erinnern, die Ihr vielleicht längst abgeschrieben habt. Vielleicht können wir unsere Träume ja doch noch irgendwie verwirklichen. Hierzu fällt mir ein Zitat von Mario de Andrade ein: „Wir haben alle nur zwei Leben. Das Zweite beginnt, wenn wir realisieren, dass wir nur eins haben.”

Was bedeutet die Musik dir?

Musik ist für mich Entspannung, ein Katalysator für Gefühle, eine Brücke zwischen Menschen.   

Welche Art / Richtung von Musik hörst du selbst gern`? Hast du „Idole“?

Die Frage nach dem Idol ist schnell beantwortet: Mark Knopfler. Seine Musik, sein Gitarrenspiel, sein Songwriter-Handwerk begleiten mich seit meiner Kindheit, seit der Dire Straits-Kassette in unserem Autoradio. Keinen Künstler habe ich so oft live gesehen wie ihn - nach dem ersten Konzert 2001 in München folgten Konzerte 2010 und 2011 in Dublin, 2015 in Bad Kissingen und 2019 in Leipzig. Ich kann mit Überzeugung sagen, dass Mark Knopfler den Soundtrack meines Lebens geschrieben hat. Seine Solo-Alben laufen, verglichen mit Dire Straits, gefühlt überhaupt nicht im Radio, und schon deshalb möchte ich Euch einen Satz mit auf dem Weg geben: „Siri / Alexa, spiele Mark Knopfler.”

Ansonsten höre ich gern Jazz, habe Jamie Cullum und Norah Jones beim Stuttgart Jazz Open 2017 sehr genossen. Meine liebsten folkmusiker sind ganz klar Heidi Talbot, ihr Mann John McCusker und Michael McGoldrick. Die letzteren Beiden spielen übrigens auch in Mark Knopflers Band.

Sonstige Künstler, bei denen ich die Musik lauter drehe: Eva Cassidy, James Taylor, Audiolotion, Laurence Juber, Blank & Jones, Zaz…

Welche Instrumente beherrschst du und welches ist dein liebstes Instrument?

Haha, das mit dem „Beherrschen” ist natürlich so eine Sache. Würde ich ein Instrument richtig beherrschen, wäre ich längst berühmt, reich und so beschäftigt, dass ich zu Dir gesagt hätte: „Hmm…Interview? Frag mal bei meinem Manager nach.”, und nicht: „Au ja! bitte, bitte mach ein Interview mit mir!” ;)

Ich singe, spiele Gitarre, Dobro, Bass, Klavier, Keyboards, etwas Tin Whistle, und nerve Frau Böttner gelegentlich mit meiner Cajon. Schlagzeug programmiere ich am Computer, weil ich mir noch keinen eigenen Drummer leisten kann.

Richtig beherrsche ich vielleicht keins der Instrumente; aber ich bin zufrieden mit meinem Können und den Fertigkeiten, um meine Ideen in Töne zu fassen.

Hast du auch schonmal gemeinsame Projekte mit anderen Musikern realisiert oder würdest du das gern machen?

Ich spielte in der Schule, die Katharina und ich besuchten in der Schülerband, spielte in Bamberg in einer Band und spielte in meinem Auslandsjahr in Galway gemeinsam mit Eva von den Why Didn’t They Ask Evans regelmäßig in Pubs. Außerdem singe ich schon seit der zweiten Klasse in Chören.

Welchen Ratschlag würdest du einem ambitionierten Jungmusiker mit auf den Weg geben, der seine ersten Schritte im Business gehen möchte?

Deckt Euch mit Kabelbindern ein! Kabelsalat ist Bäh-Bäh! Außerdem bin ich mit distrokid.com als Aggregator, um meine Musik an die üblichen verdächtigen Musikdienste zu verteilen, sehr zu frieden. Wenn Ihr Euch dafür interessiert, könnt Ihr auf meiner Seite MarkusBoettner.net/Music unten einen Rabattcode abgreifen.

Überhaupt muss man gar nicht viel Geld in Equipment investieren und sollte man sich auch nicht vom Equipment anderer Musiker abschrecken lassen. Mikrofone und Kameras in SmartPhones sind heutzutage so gut, dass man schon sehr amtliche Ergebnisse erzielen- und Freunden und zukünftigen Fans auf Youtube viel Freude bereiten kann.

Wünschst du dir, dass deine Tochter auch einen Zugang zur Musik findet? Wie und auf welche Art wirst du / werdet ihr das fördern?

Seit Tara groß und schwer genug für die Manduka-Trage ist, sitzt sie regelmäßig mit mir am Klavier. Oben erwähntes Keyboard, welches mir meine Mutter aus dem Westen mitbrachte, besitze ich immer noch; und ich würde mich freuen, wenn Tara damit ihre ersten Gehversuche unternimmt. Außerdem singen Laura und ich ihr viel vor. 

Markus, In der URL Deines Youtube-Kanals lese ich: /user/BlindGuitardian. Das ist ja ein witziger Name, erinnert mich etwas an Blind Guardian.

Schön, dass es Dir aufgefallen ist. Wo ein Wortspiel ist, ist Markus meist nicht weit. Als ich über einen Namen für meinen Youtube-Kanal nachdachte, dachte ich: Hmm…ich komme aus Deutschland, ich bin blind, ich bin Gitarrist, und meine Musik hat überhaupt nichts mit Blind Guardian zu tun, also macht sich ”BlindGuitardian” doch gut. ;)

Ah, Du magst Wortspiele. Wie lautet Dein liebster Wortwitz?

Was ist rot und steht am Kopierer? … Die Paprikantin.

Äh, OK. Nicht witzig, aber vielen Dank fürs Interview. :-)


Freitag, 2. Oktober 2020

Was erwartet dich in "Collagen, die deine Seele liebt"?

Liebe Leserin, lieber Leser,

in diesem Buch erwarten dich Collagen. Du wunderst dich, weil du beim Durchblättern nur wenige siehst, die zum Betrachten gedacht sind? Hast womöglich einen ausführlichen Bildband erwartet?

Das ist kein Versehen, sondern die Idee dieses Buchs: Es wird erst durch dich zum Leben erwachen und am Ende ganz anders aussehen als jetzt, da du es zum ersten Mal in den Händen hältst. Die wenigen bereits fertiggestellten Collagen dienen dir als Beispiele, doch der weitaus größere Teil wird durch deine Hände entstehen, wenn du magst.

Dieses Buch ist also erst im Werden begriffen, es wächst in dem Maße, wie du es verwendest und die Anregungen umsetzt. Im Moment sind die meisten Collagen in diesem Buch nur ein Gedanke in deinem Kopf und ein Gefühl in deinem Herzen. Du kannst sie das Licht der Welt erblicken lassen, wenn du möchtest – es ist eine einfache, unkomplizierte und sehr freudvolle Geburt.

Wir werden gemeinsam deine ganz eigene Art von Kunst fabrizieren und dich deine eigene Kreativität entdecken lassen. Du wirst dich im Rahmen dieser Tätigkeit mit Fragen und Themen beschäftigen, die deiner Seele guttun, dein Selbstvertrauen stärken und dir zeigen, wer du bist, was du willst und was du kannst. Diese Version des Selbst-Coachings macht großen Spaß und führt dich vielleicht in eine Welt, die dein Leben bereichert.

Im ersten Teil des Buchs werde ich dir zeigen, was du brauchst und wie du vorgehen musst, um anzufangen. Ich erläutere außerdem einige interessante Fakten rund um das kreative Tun und seine Vorteile für dich und deinen Alltag. Im zweiten Teil stelle ich dir einige von meinen Collagen vor und beschreibe dir, was ich mir bei der Gestaltung gedacht habe und wie ich vorgegangen bin. Der dritte und durchaus umfangreichste Teil gehört dann schließlich dir: Hier darfst und sollst du dich austoben, dein Buch mit Farben und Ideen füllen, ihm alles anvertrauen, was dich beschäftigt und deiner Seele auf den Grund gehen.


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Donnerstag, 1. Oktober 2020

Wie bekomme ich Inspiration, wenn ich ein Buch schreiben möchte?

Aus der Autorenwerkstatt
Im vorletzten Beitrag "Wie schreibe ich ein Buch? Ein Weg, der bei mir funktioniert" habe ich dir gezeigt, welches Vorgehen ich anwende, um von meiner Buchidee zum fertigen Roman zu gelangen. Heute zeige ich dir eine kleine Liste, wie du deine Kreativität ankurbeln kannst, wenn es mal hakt während des Schreibens oder wenn du nach neuen Geschichten suchst.

Generell bietet es sich immer an, sich mit wachen Sinnen durch die Gegend zu bewegen, denn die besten Geschichten offenbaren sich dir in der Interaktion mit anderen Menschen und durch das, was du erlebst und erfährst. Wenn du mit einem Blick für das Detail und einem offenen Herzen agierst, werden die Ideen dir fast wie von selbst in den Kopf springen!

Falls du aber mal extra Input brauchst, lass dich inspirieren:

 

1. Fragen stellen und zuhören

Mein Großvater war ein in unserem Lebensumfeld ziemlich bekannter Mensch und außerdem ein Künstler, der bis ins hohe Alter hinein Projekte umgesetzt hat. Er hatte ein bewegtes und auch stadtgeschichtlich / gesellschaftlich nicht ganz unbedeutendes Leben. 

Als Fünzehnjährige interessierte mich das nicht und ich rollte mit den Augen, wenn es mal wieder hieß: "Damals bei uns..." Wie es immer so ist, hören Pubertiere ja nicht zu, wenn Opa aus dem Krieg oder aus der ollen DDR erzählt und ich war da keine Ausnahme. 

Später jedoch erwachte mehr und mehr mein Interesse an seinen Erzählungen und auch an seinen Werken. Dadurch wurde mir viel an Wissen und Lebenserfahrung geschenkt, die teilweise auch in meine Bücher hineinfanden, vor allem in "Fredi". Mir wurde, das muss ich trotzdem gestehen, erst nach seinem Tod offenbar, WIE bekannt er gewesen war und ich wünschte, ich hätte NOCH MEHR gefragt und noch genauer zugehört. 

Zum Glück kennen viele Menschen aus der Familie weitere Berichte und es lohnt sich, einmal genau hinzuhören. Ob aus der Vergangenheit von Menschen, von Ängsten, Träumen, Wünschen oder Erlebnissen: Viele Menschen sprechen gern über sich selbst und jede Information ist ein Schatz! Nicht, um etwas Erlebtes, Gefühltes oder Gedachtes Eins zu Eins zu "klauen", sondern um zu reflektieren, Zusammenhänge zu verstehen, die menschliche Gefühlspalette besser kennenzulernen und selbst Gedanken weiterzuspinnen. 

2. Natur

Hier findest du nicht nur Stille und Entspannung, sondern auch Ideen. Zum einen, weil ein erholtes Hirn besser denkt als ein gestresstes. Und zum anderen, weil du, sobald du mit einem Ohr am Waldboden, im Sand oder auf der Wiese liegst, dich mit Geist und Seele direkt im Schoß der Schöpfung befindest. Die Natur ist unglaublich bunt, vielseitig, faszinierend, einzigartig, kreativ, wundervoll! Und von diesem Glanz färbt etwas auf deine Gedanken ab, wenn du dir Zeit nimmst, sie kennenzulernen und ihrer Stimme zu lauschen.

3. Veränderungen

Gewohnheiten und Altbewährtes geben Sicherheit und Stabilität im Alltag. Aber wenn du Input willst, musst du Neues erleben. Dich ins Abenteuer stürzen, deine Komfortzone verlassen, etwas Neues entdecken! Nicht immer im großen Stil, es muss kein Fallschirmsprung sein. Etwas zu kochen, was du noch nie probiert hast oder einen Ort zu besuchen, an dem du noch nicht gewesen bist, ist etwa genauso wirksam. 

In diesen Punkt gehört selbstverständlich auch das Reisen! Gern so klimaneutral, wie es möglich ist, aber immer mit dem Hunger auf etwas Frisches wird dir jede auch noch so kleine Unternehmung Ideen für deine Geschichten liefern. Übrigens lohnt es sich gerade jetzt, in dieser Zeit, in der weite Reisen nicht ratsam oder möglich sind, die eigene Umgebung auch einmal neu zu entdecken. Oder vielleicht ein anderes Bundesland? Eine nicht ganz so berühmte Gegend? Kleine, kurze Reisen ohne viel Aufwand haben auch ihren Reiz!

4. Lektüre

Natürlich die Lektüre der Bücher, die du gern magst! Aber auch jene, die du noch nicht kennst! Das Genre, das dir fremd ist! Vielleicht sogar eins, das du erstmal innerlich ablehnst. Biografien von Menschen, Reiseberichte, Dokumentationen - der Pool ist unerschöpflich. Stehst du beispielsweise eigentlich auf Thriller, könntest du mal in eine romantische Liebesgeschichte hineinschnuppern. Und wenn du sonst nur auf Belletristik abfährst, schadet es sicher nicht, mal in eine Graphic Novel oder einen Lyrikband zu schauen. 

Nicht zu vergessen ist auch das riesige Angebot an Zeitschriften - bestimmt findest du dort etwas, das deinen Interessen entspricht oder dich neugierig macht. Nimm dir einfach mal ein paar Minuten, um dich durch das Angebot zu Blättern und entscheide dich für etwas, das dich direkt anspricht, auch, wenn es ungewöhnlich sein mag.

Und die Klassiker! Verhasst seit der Schulzeit sind sie zu Unrecht in Verruf geraten und deswegen wird das Potenzial, das sie mitbringen, oft nicht genutzt. Mach du es besser und lerne von den Profis!

5. Medien und Social Media

Von Filmen und Serien bis hin zu Blogs und sozialen Netzwerken: Zwar besteht hier immer der Gefahr des Überkonsums und es wird auch viel Trash geboten, aber wenn du dir Passendes herauspickst und etwas akribisch wählst, welche Eindrücke Eingang in dein Hirn und Herz finden, dann kannst du das Negative dieser Bereiche in Schach halten und das Positive nutzen. Eine gewisse Weltoffenheit und der Drang, viel zu entdecken, erfahren und sich Wissen anzueignen stärkt jedenfalls auch die kreative Schaffenskraft.

6. Kultur

Museen jeder Art geben immer einen Frischekick für die Hirnzellen! Bilder zu betrachten oder Musik zu hören ebenfalls. Auch hier gilt: Bewege dich gern mal von Vertrautem weg hin zu etwas Neuem. Bringe dich bewusst in Stimmung oder versuche es mit einem verrückten Tabubruch, indem du ein bisschen herumexperimentierst und zum Beispiel etwas hörst, worüber du neulich noch den Kopf geschüttelt hättest. 

Für mich persönlich geht ohne Musik gar nichts und Museen mit Kunstwerken sind ein Paradies für meinen kreativen Muskel. Ich schaue mir dann oft genau an, welche Techniken und Methoden der Künstler verwendet hat oder denke und fühle mich in das Bild hinein und spüre dem nach, was es in mir auslöst. Nach einem solchen Erlebnis überkommt mich immer große Lust darauf, selbst kreativ tätig zu werden, was das Schreiben freilich einschließt. In dieser Zeit lohnt übrigens auch ein virtueller Museemsbesuch - es wird dahingehend viel Neues angeboten!

7. Träume

Spätestens seit dem freudschen Siegeszug sind unsere Träume (und auch Tagträume) ein prima Ticket in unser Unterbewusstsein. Es braucht nur Zettel und Stift und am Morgen ein paar Minuten Zeit! Man sagt übrigens, der Großmeister Stephen King habe hin und wieder Geschichten in Träumen gesehen, aber da ist er sicher keine Ausnahme. Tauche ein in diese Bilder - du musst sie nicht verstehen. Es reicht, wenn du deine Fantasie einlädtst, sich einfach mal zu entfalten, und dann als aufmerksamer Beobachter agierst.

8. (bitte selbst ausfüllen!) 

Was sind deine Geheimwaffen gegen Flaute im Kopf? Erkunde und nutze sie nach Herzenslust und erweitere deine Möglichkeiten, wann immer es geht!