Montag, 27. Dezember 2021

Rezension: "Das Haus am Deich - Unruhige Wasser" von Regine Kölpin

Inhalt:

In ihrem Roman „Das Haus am Deich – Unruhige Wasser“ setzt SPIEGEL-Bestsellerautorin Regine Kölpin die dramatische Geschichte der Freundinnen Frida und Erna fort. Deren Träume von einer neuen Heimat, Liebe und einem erfüllten Leben machen diesen zweiten Band der dreiteiligen in Norddeutschland angesiedelten Saga zu einer fesselnden und atmosphärischen Lektüre.

1951: Das Wirtschaftswunder bringt für Frida, die mittlerweile mit einem Unternehmer verheiratet ist, zwar Wohlstand – doch Glück sieht anders aus. Nicht nur kriselt es in ihrer Ehe von Anfang an, sie ist auch ein goldener Käfig für Frida, die sich nach Unabhängigkeit sehnt. Ihre Freundin Erna muss ebenfalls schmerzhaft erfahren, dass die Zeit Frauen kaum Freiheiten erlaubt. Glück erleben die Freundinnen nur mit ihren Kindern, vor allem den Töchtern Meike und Sanne, und im Haus am Deich mit seinem üppigen Garten, ihrem selbst geschaffenen kleinen Paradies, in dem Wunder möglich scheinen.  

Vor der atmosphärischen Kulisse Norddeutschlands entfaltet sich in „Das Haus am Deich“ das Schicksal zweier Frauen und ihrer Familien: wahrhaftig, atmosphärisch und bewegend!

Band 1: Das Haus am Deich – Fremde Ufer
Band 2: Das Haus am Deich – Unruhige Wasser
Band 3: Das Haus am Deich – Sicherer Hafen

Mein Eindruck:

Regine Kölpin legt mit ihren Trilogien wirklich ein beneidenswertes Tempo vor - kaum ist der erste Band der Deichhaus-Saga gelesen, trudelt auch schon der zweite ein! Dieses Mal begleiten wir die Freundinnen Frida und Erna und ihre Familien durch die Nachkriegszeit von 1951 bis 1957. Prägende Jahre für die beiden jungen Frauen, die es im Leben nicht immer ganz leicht haben.

Liebe ist wieder der Aufhänger und das Zentrum, um das alles kreist, doch zur Freude der vielseitig interessierten Leser kommen auch andere Themen zum Tragen, die mich wirklich packen konnten: Politische und gesellschaftliche Fragen spielen eine Rolle, gerade vor dem Hintergrund des vergangenen Kriegs und unter dem Blickwinkel der Rechte von Frauen. Feministische Anklänge, Fragen zur Gleichberechtigung, die damalige Lage in Kinderheimen sowie die psychischen Nachwirkungen der Kriegs- und Gefangenen-Erfahrung von Soldaten werden in die Geschichte einbezogen, sodass man sich vom Fühlen, Denken und Handeln aller Beteiligten ein genaues Bild machen kann. "Nur Liebe" am idyllischen Wattenmeer wäre mir beispielsweise zu wenig, aber aufgeladen mit den historischen, bis ins Detail sorgfältig recherchierten Fakten wird das Buch vielseitig, spannend und unterhaltsam. Das gilt aus meiner Sicht ganz besonders für die Figuren der Erna mit ihrem grausamen Vater, der Mutter Stine, die Täterin und Opfer zugleich ist und des Herolds, der ganz viel Emotion transportiert und dabei die Gräuel des Krieges und der Zeit danach ins Bewusstsein zwingt. 

Auch eine gewisse Dramatik bleibt der Geschichte zueigen, weil immer wieder menschengemachte oder vom Schicksal entschiedene Ereignisse die Figuren aus ihren gewohnten oder erhofften Lebensbahnen kicken. Letztlich sind es die typischen Themen, die Menschen immer wieder Generation um Generation beschäftigen: Liebe, Freundschaft, Tod und Verlust, die eigenen Lebensträume und deren Verwirklichung, die Hindernisse, sie sich uns dabei in den Weg stellen. Regine Kölpin nimmt sie für ihre Frauenfiguren in den Fokus und lässt uns auf einfühlsame Art daran teilhaben.

Frida und Erna können als Identifikationsfiguren dienen, weil sie starke und loyale Charaktere sind, die ihr Leben nach bestimmten Werten ausrichten, und trotzdem Fehler begehen. Gleichzeitig zeigen sie auch deutlich auf, was sich inzwischen zum Glück alles geändert hat und welche Probleme wir Frauen von heute nicht mehr zu lösen haben. (Dafür haben wir andere Probleme, die damals keine Rolle gespielt haben dürften, aber das ist eine soziologische Diskussion, keine literarische.) Nichtsdestoweniger fand ich die Geschichte auch unter DIESEN Aspekten aufschlussreich, vielleicht war das für mich sogar der größte Reiz dabei!

Fazit:

Das Buch liest sich in einem Rutsch weg! Es ist unterhaltsam und informativ, eine Freude für den Norddeutschen, der etliche Schauplätze kennt, aber auch für jeden anderen, der die raue Nordsee ins Herz geschlossen hat oder für sich entdecken möchte. Eine (indirekte) gesellschaftliche und politische Diskussion über Fragen zu Feminismus, Vertreibungs- und Kriegstraumata sowie Schuld und Verantwortung vor dem Hintergrund der Lebens- und Familiengeschichten erweitert die Lektüre um zusätzliche Schwerpunkte.

Das Buch wurde mir von der Autorin zur Verfügung gestellt, wofür ich herzlich danke. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

Quelle: Cover und Handlung

Donnerstag, 23. Dezember 2021

Besinnliche Festtage für euch und einen guten Start in das neue Jahr!

Für viele von uns war das kein ganz einfaches Jahr. Umso wichtiger finde ich die Erinnerung an all das Gute und Hilfreiche, das uns trotz aller widrigen Umstände vom Schicksal und von Mitmenschen immer wieder an die Hand gegeben wird, um auch im heftigsten Sturm nicht vom Boot zu kippen und die Ruder des eigenen Lebens fest zwischen den Händen zu behalten. Das Fahrwasser, das Wetter und die Beschaffenheit unseres Schiffes mag uns nicht immer gefallen, aber den Weg bestimmen wir trotzdem immer noch selbst! Wir sind es, die entscheiden, ob wir den Fokus auf das Negative, Entzweiende, Komplizierte, Konfliktbehaftete und nicht Funktionierende legen, oder ob wir unseren Blick in die Richtung unserer Kraftquellen wenden und in unserem Bewusstsein den Sinn in allen Dingen bewahren.

Ich wünsche euch, meinen lieben Leserinnen und Lesern, erholsame und erfüllte Festtage im Kreise eurer Liebsten. Sagt und zeigt euren Seelenmenschen, dass ihr sie liebt - das kann man nie zu oft tun! Keine falsche Bescheidenheit, keine Scham, kein "Das-weiß-die-Person-doch" - JETZT ist der passende Zeitpunkt, um Bindungen zu nähren und ihnen auch nach außen hin den Stellenwert zuzuweisen, den sie tatsächlich besitzen. Dazu zu stehen, dafür einzustehen. Auszudrücken, was sonst nur gedacht oder gefühlt wird. Sich mitzuteilen, auf dass diese Botschaft nicht nur den "Beschenkten", sondern auch uns selbst beglückt.

Ich wünsche euch auch ein gutes neues Jahr. Mögt ihr von Liebe getragen, mit Gesundheit gesegnet und von einer inneren Leichtigkeit erfüllt sein, die euch beschwingt durch eure Tage springen lässt und all dem Schweren, das uns gerade umgeben mag, seine Macht nimmt.

Lasst das Licht eurer Seelen strahlen.

Herzlichst,

Katharina 

Bildquelle: Pixabay

Montag, 20. Dezember 2021

Rezension: "Geheimnisvolle Unterwelten: Mythos, Legende, Forschung" von Daniela Mattes und Roland Roth

Inhalt:

Geheimnisvolle Unterwelten sind die weißen Flecken in der modernen Forschung. Das Autoren-Duo Daniela Mattes und Roland Roth ist der Sache nachgegangen und legt schier unglaubliche Berichte vor über Welten im Untergrund, seltsame Lebensformen in unendlichen Tiefen und phantastische Erlebnisse in inneren Welten. Auf der spannenden Reise zu diesen unerforschten Regionen berichten die Autoren von Portalen und Eingängen in innere Sphären, von alten Legenden und den aufregenden Unterwelten in Literatur und Film. Treffen Mythos, Legende und Forschung den Kern der Wahrheit?

Mein Eindruck:

In meiner Jugend durfte ich mal ein winziges Stück der Katakomben unter Rom entdecken. Von dieser Erfahrung war ich so fasziniert, dass ich tatsächlich ein Manuskript schrieb, dessen Geschichten sich in weiten Teilen an diesem Schauplatz abspielt. Zwar habe ich diesen Roman (obschon tatsächlich vollendet!) nie veröffentlicht, aber an die verschlungenen Schleichwege unter der ewigen Stadt erinnere ich mich heute noch mit einem wohligen Schaudern.

Deshalb fand ich es klasse, dass Daniela Mattes und Roland Roth, dieses bereits bekannte Autorenduo, das ich heute nicht zum ersten Mal bespreche, sich dem Thema "Unterwelten" widmet; das Thema dockte sofort an meine eigenen Vorlieben an. 

Unerforschte Gebiete unter der Erde gibt es mehr, als man meinen mag, und zwar überall auf der Welt. Menschen nutzen die Erde nicht nur für den Abbau von Kohle, Mineralien und anderen Schätzen, sie leben zuweilen auch darin, freiwillig oder in manchen Fällen auch erzwungenermaßen. Der Lebensraum "oben" wurde rasch knapp, deshalb lag es für die Menschheit wohl nahe, sich in Höhlen und anderen geheimnisvollen Zugängen unter der Erde neuen Wohn-, Transport- oder Verkehrsraum zu schaffen und darüber hinaus fremdartige Biotope in einer unfassbaren Vielfalt zu entdecken.

Mit dieser Erforschung des handfesten, irdischen Lebensraums für menschliche, tierische und pflanzliche Spezies geben sich Mattes und Roth aber nicht zufrieden, obgleich allein dieses Thema spannend genug für eine ausführliche Betrachtung ist.

Das bunte Wissenspotpourri geht jedoch darüber hinaus: Es beschäftigt sich außerdem mit verschiedenen Theorien rund um die Beschaffenheit des Inneren unserer Erde. Es taucht in die Mystik ein, indem es fremde Wesen und Völker in den Blick nimmt, etwa Elfen, Feen, Zwerge, Kobolde, Naturwesen und anderen Geschöpfe, um die sich schon immer Geheimnisse ranken, die zu lösen wir bislang nicht in der Lage sind. Es bezieht Sagen und Legenden in die Untersuchungen mit ein, Astralreisen, Zeitreisen, das Jenseits, sogar Außerirdische. Diese Betrachtungsweisen kann man während der Lektüre für bare Münze nehmen, wenn man möchte, man kann sich aber auch dann einfach an der Vielfalt und dem Ideenreichtum erfreuen, wenn man sie selbst eher für unwahrscheinlich hält. Etwas Märchenhaftes geht mit dem Thema ja immer einher!

Und so schlägt das Sachbuch auch den Bogen zu klassischen Geschichten und Märchen, etwa der Sage vom schlafenden König Barbarossa aus dem Kyffhäuser, der mir als Thüringer Mädel schon seit meiner Kindheit vertraut ist. Überhaupt konnte ich viel lernen! Ich wusste beispielsweise nicht, dass es unter der Erde einen blinden Salamander gibt, der bis zu sechs Jahre ohne Nahrung auskommen kann ... dass sich dort ein Fisch tummelt, der sich von Bakterien ernährt ... dass eine Form von Photosynthese durch geothermische Strahlung in der Tiefsee betrieben werden kann ...

Mit solchen und vielen weiteren Informationen warten Mattes und Roth auf. Sie liefern zusätzlich Bildmaterial, welches das Ganze nochmal anschaulicher macht. Fremdwörter werden erklärt, sodass man auch als Laie den Erklärungen gut folgen kann. Es wurden umfassende Informationen zusammengetragen, die viele verschiedene Aspekte des Themas beleuchten und unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Ich vermute, das Autorenduo war gezwungen, sich selbst zu disziplinieren, indem es sich auf eine bestimmte Text- oder Informationsmenge verständigte und daran orientierte. Denn wenn man dieses Buch so liest, hat man den Eindruck, die beiden hätten noch dreimal so viel zum Thema schreiben können! Genug Wissen ist ganz gewiss dafür vorhanden!

Fazit:

Es braucht einen offenen und interessierten Geist, der Lust hat, sich mit Themen zu beschäftigen, die über das Gewöhnliche und Alltägliche hinausgehen. Ist man so gestrickt, hat man sehr viel Freude an dem Buch! In den Wissensbereichen geht es sowohl in die Breite als auch in die Tiefe, sodass wirklich viele verschiedene Einzelthemen Beachtung finden.

Mein eigener Geist freut sich immer über Input, vor allem, wenn er Themen berührt, die mir noch nicht so vertraut sind. Deswegen freue ich mich sehr, dass Daniela Mattes und Roland Roth sich dieses Themas so ausführlich angenommen und mir damit ermöglicht haben, mich ihm ebenfalls ein bisschen zu nähern.

Das Buch wurde mir von der Autorin zur Verfügung gestellt, wofür ich von Herzen danke. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

Quelle: Cover und Handlung

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 14. Dezember 2021

Rezension: "Wie entsteht Wortkonfekt?: Gute Texte sind wie Pralinen … " von verschiedenen AutorInnen (Hg.: Maria Zaffarana)

Inhalt:

Wie viel Mut und Provokation verkraftet ein Text? Entspinnt sich aus der Angst vor dem weißen Papier die eigentliche Kraft des Dichtens? Aus welchen Zutaten setzt sich eine gute Geschichte zusammen und gibt es ein Patentrezept für schriftstellerisches Talent? Dieses kleine, aber feine Büchlein liefert in seiner zweiten, erweiterten Auflage Antworten, Anregungen und Tipps rund ums Schreiben – allerdings anders als ein gewöhnlicher Ratgeber: mit Essays nämlich von 18 Autoren, die das Thema satirisch, journalistisch, philosophisch oder ganz pragmatisch angehen. Ausgewählte Aphorismen runden jedes Kapitel stimmungsvoll ab: von Goethe und Kafka über Tucholsky und Seneca bis zu Heine und Schopenhauer.

Mein Eindruck:

In diesem kleinen Band versammeln sich die klugen und unterhaltsamen Essays verschiedener Autoren rund um das Thema "Literarisches Schreiben", vor allem auch vor dem Hintergrund der Frage, welche der Titel stellt: Was macht Literatur besonders schmackhaft und lässt sie von einem schnöden Stück Schokolade zu einer erlesenen Praline werden? 

Die AutorInnen, 18 an der Zahl, nähern sich dem Thema aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln: mal wissenschaftlich-ernst, mal tiefgründig und poetisch, mal humorvoll-satirisch, dabei aber immer mit einer nicht ganz gewöhnlichen Perspektive auf Texte. Herzerwärmende Zitate runden den sprachlich ausgeklügelten, vergnüglichen Lesespaß ab. Leichte Kost ist es nicht, so wie auch das Sujet der Betrachtung eben keine leichte Kost sein dürfte.

Mir hat die Lektüre Freude bereitet! Nicht nur, weil ich in den Anekdoten über einige Schriftsteller liebe alte Freunde wiedertraf, die sich auch in meinem Bücherregal zuhauf tummeln, im Alltag aber (leider) selten angefasst werden. Sondern auch, weil die AutorInnen beide Parteien in ihre Betrachtungen einbeziehen: den Blick des Schreibenden und die Sichtweise des Lesenden. Neben der Aufgabe des Schriftstellers und seiner Verantwortung für sein Werk wird auch hin und wieder die Rolle und Aufgabe des Lesers an diesem gemeinsamen kreativen Gestaltungsprozess in den Blick genommen - und diese Sichtweise fand ich ungemein erfrischend, bin ich selbst doch auch beides: Schreibende und Lesende.

Jeder Mensch, der selbst gern Texte für ein Publikum schreibt oder schreiben möchte, wird in diesen Essays eine vertraute Stimme finden und sich mit seinen Selbstzweifeln und inneren Kämpfen nicht mehr so allein fühlen. Insofern ist dieses kleine Buch tatsächlich eine Art "Schreibratgeber", obwohl es sich selbst nicht als Sachbuch mit handfesten praktischen Tipps versteht (und diese auch nicht gibt!). 

Es verknüpft sich mehr mit der gepeinigten Schriftstellerseele, die schon die ein oder andere Tiefe ausgelotet hat, und beschenkt sie eher auf einer tieferen Ebene, als auf den ersten Blick ersichtlich wäre. Und es orientiert sich an den Bedürfnissen und Wünschen, aber auch Herausforderungen potenzieller LeserInnen, die man als Angehöriger der schreibenden Zunft ja nicht gut genug kennen kann.

Fazit:

Keinen Nerv mehr auf den ganzen Einheitsbrei, der nur der plumpen Unterhaltung dient und das vernachlässigte Denkerhirn nicht stark genug beansprucht, um mal wieder mit Verve und Leidenschaft ein paar Windungen zum Glühen zu bringen? Dann ist dieses Schätzchen das richtige für dich! 

Ich jedenfalls habe durch die Lektüre sofort Lust bekommen, meinen Hesse, Fontane, Mann, Böll, Kleist, Hoffmann und die anderen geliebten alten Kumpel aus dem Studium hervorzukramen und mich mal wieder so richtig in einen echt "schwierigen" Text mit Haut und Haar hineinzuwerfen. Noch mehr juckt es mich in den Fingern, selbst einen Essay zum Thema zu verfassen! Ein Treffer ins Schwarze, würde ich meinen.

Das Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt, wofür ich herzlich danke. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

Quelle: Cover und Handlung

Montag, 6. Dezember 2021

Rezension: "Japanische Volksmärchen" von Madeleine Shadia Khrewish

Inhalt:

Folge den Spuren der Geschichten, die viele, viele Jahre mündlich weiter gegeben wurden, bis sie schließlich ihren Weg in dieses Buch und somit zu dir fanden. Wenn du mit japanischen Volksmärchen noch nicht vertraut bist und nur Märchen kennst, in denen Prinzessinnen in Schlössern wohnen und am Ende alles gut ist, wird dich hier etwas Neues erwarten. Die Märchen wurden frei vom Japanischen ins Deutsche übersetzt, und haben somit eine individuelle Note. Man darf dabei nicht vergessen, dass Japanisch und Deutsch viele sprachliche Unterschiede aufweisen. Um einen schönen Lesefluss in beiden Sprachen zu ermöglichen, wurde auf wortwörtliche Übersetzungen bewusst verzichtet. Dieses Buch ist eine zweisprachige Version - deutsch und japanisch.

Mein Eindruck:

Dass ich dieses Buch vorablesen durfte, hat mich besonders gefreut, denn ich bin ein wahnsinniger Japan-Fan! Die Kultur, die Mentalität, die Kunst, die ganze Lebensart - all das gefällt mir ausnehmend gut und deshalb stürzte ich mich auch sogleich voller Begeisterung auf das kleine Büchlein, das in meinen Augen leider viel zu schmal ausgefallen ist!

Aber das, was ist - ist wunderbar! Nun sind japanische Märchen den unsrigen nicht sehr ähnlich, sie gestalten sich weniger klar und konkret, tiefsinniger und philosophischer, manchmal scheinbar sogar eine gewisse Logik und Stringenz des Erzählens vermissend. Es mag fremd anmuten, doch erweckt es eine Denkart zum Leben, die eben genau deshalb neue Ideen anschiebt und für Inspiration sorgt.

Die drei Märchen in dem Buch sind berührend und gefühlvoll, voller Tragik und Symbolik und nah am menschlichen Wesen. Die Handlungen sind märchentypisch schlicht, doch zwischen den Zeilen steckt so viel, das den eigenen Kopf zum Denken und Neu-Denken anregt. Dass der Text sich nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch in japanischen Schriftzeichen präsentiert, sorgt nicht nur für einen weiteren Hauch geheimnisvoller Exotik, sondern macht das Leseerlebnis noch authentischer. Freilich wird in unseren Breiten kaum jemand die Zeilen lesen können - ich jedenfalls vermag es zu meinem Bedauern nicht. Aber es ist schön, sie zu betrachten! Und wenn man Kalligrafie liebt, kann man bei der Lektüre sogar in diesem Bereich noch etwas lernen.

Und erst die Bilder! Im Grunde ist nicht der Inhalt der Hauptakteur dieser kleinen Kostbarkeit, sondern es sind die stimmungsvollen, in sanften Blau- und Grautönen gehaltenen Illustrationen, die voller liebevoller Details stecken. Ähnlich einem Wimmelbuch, nur viel hochwertiger, kann man sich stundenlang in die Zeichnungen vertiefen, in die Stimmung eintauchen, sich ganz und gar mit den Märchen verbinden. Der Zeichenstil ist typisch für das Land und weckt auch entsprechende Assoziationen. Trotzdem steckt auch eine Prise europäischer Feinsinnigkeit und Kunstfertigkeit darin, was eine besonders reizvolle Mischung darstellt.

Für mich bleibt nur der Wunsch, dieses Buch auch "in echt" in den Händen zu halten (Ich habe es als E-Book gelesen.) In diesem Fall lohnt es sich ganz gewiss, das gedruckte Exemplar im Schoß liegen zu haben!

Fazit:

Nicht nur Menschen, die Japan und / oder Märchen lieben, kommen mit diesem kleinen Band auf ihre Kosten. Es ist ein wahrer Augenschmaus, der aufgrund seiner Tiefsinnigkeit auch lange nachwirkt.

Das Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt, wofür ich von Herzen danke. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

Quelle: Cover und Handlung