Dienstag, 14. Dezember 2021

Rezension: "Wie entsteht Wortkonfekt?: Gute Texte sind wie Pralinen … " von verschiedenen AutorInnen (Hg.: Maria Zaffarana)

Inhalt:

Wie viel Mut und Provokation verkraftet ein Text? Entspinnt sich aus der Angst vor dem weißen Papier die eigentliche Kraft des Dichtens? Aus welchen Zutaten setzt sich eine gute Geschichte zusammen und gibt es ein Patentrezept für schriftstellerisches Talent? Dieses kleine, aber feine Büchlein liefert in seiner zweiten, erweiterten Auflage Antworten, Anregungen und Tipps rund ums Schreiben – allerdings anders als ein gewöhnlicher Ratgeber: mit Essays nämlich von 18 Autoren, die das Thema satirisch, journalistisch, philosophisch oder ganz pragmatisch angehen. Ausgewählte Aphorismen runden jedes Kapitel stimmungsvoll ab: von Goethe und Kafka über Tucholsky und Seneca bis zu Heine und Schopenhauer.

Mein Eindruck:

In diesem kleinen Band versammeln sich die klugen und unterhaltsamen Essays verschiedener Autoren rund um das Thema "Literarisches Schreiben", vor allem auch vor dem Hintergrund der Frage, welche der Titel stellt: Was macht Literatur besonders schmackhaft und lässt sie von einem schnöden Stück Schokolade zu einer erlesenen Praline werden? 

Die AutorInnen, 18 an der Zahl, nähern sich dem Thema aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln: mal wissenschaftlich-ernst, mal tiefgründig und poetisch, mal humorvoll-satirisch, dabei aber immer mit einer nicht ganz gewöhnlichen Perspektive auf Texte. Herzerwärmende Zitate runden den sprachlich ausgeklügelten, vergnüglichen Lesespaß ab. Leichte Kost ist es nicht, so wie auch das Sujet der Betrachtung eben keine leichte Kost sein dürfte.

Mir hat die Lektüre Freude bereitet! Nicht nur, weil ich in den Anekdoten über einige Schriftsteller liebe alte Freunde wiedertraf, die sich auch in meinem Bücherregal zuhauf tummeln, im Alltag aber (leider) selten angefasst werden. Sondern auch, weil die AutorInnen beide Parteien in ihre Betrachtungen einbeziehen: den Blick des Schreibenden und die Sichtweise des Lesenden. Neben der Aufgabe des Schriftstellers und seiner Verantwortung für sein Werk wird auch hin und wieder die Rolle und Aufgabe des Lesers an diesem gemeinsamen kreativen Gestaltungsprozess in den Blick genommen - und diese Sichtweise fand ich ungemein erfrischend, bin ich selbst doch auch beides: Schreibende und Lesende.

Jeder Mensch, der selbst gern Texte für ein Publikum schreibt oder schreiben möchte, wird in diesen Essays eine vertraute Stimme finden und sich mit seinen Selbstzweifeln und inneren Kämpfen nicht mehr so allein fühlen. Insofern ist dieses kleine Buch tatsächlich eine Art "Schreibratgeber", obwohl es sich selbst nicht als Sachbuch mit handfesten praktischen Tipps versteht (und diese auch nicht gibt!). 

Es verknüpft sich mehr mit der gepeinigten Schriftstellerseele, die schon die ein oder andere Tiefe ausgelotet hat, und beschenkt sie eher auf einer tieferen Ebene, als auf den ersten Blick ersichtlich wäre. Und es orientiert sich an den Bedürfnissen und Wünschen, aber auch Herausforderungen potenzieller LeserInnen, die man als Angehöriger der schreibenden Zunft ja nicht gut genug kennen kann.

Fazit:

Keinen Nerv mehr auf den ganzen Einheitsbrei, der nur der plumpen Unterhaltung dient und das vernachlässigte Denkerhirn nicht stark genug beansprucht, um mal wieder mit Verve und Leidenschaft ein paar Windungen zum Glühen zu bringen? Dann ist dieses Schätzchen das richtige für dich! 

Ich jedenfalls habe durch die Lektüre sofort Lust bekommen, meinen Hesse, Fontane, Mann, Böll, Kleist, Hoffmann und die anderen geliebten alten Kumpel aus dem Studium hervorzukramen und mich mal wieder so richtig in einen echt "schwierigen" Text mit Haut und Haar hineinzuwerfen. Noch mehr juckt es mich in den Fingern, selbst einen Essay zum Thema zu verfassen! Ein Treffer ins Schwarze, würde ich meinen.

Das Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt, wofür ich herzlich danke. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

Quelle: Cover und Handlung