Freitag, 6. Mai 2022

Gelesene Bücher im April 2022

In einer kurzen und knackigen Übersicht stelle ich euch alle Bücher vor, die ich mir im letzten Monat zu Gemüte geführt habe. Ich beschreibe in ein, zwei Sätzen, worum es in dem Buch jeweils geht und erkläre und begründe, wie mir die Lektüre gefallen hat.

Meine Romane im April 2022:

 

Richard Chizmar: "Gwendys Wunschfeder"

Der Nachfolger des von Chizmar mit Stephen King zusammen verfassten (guten!) Büchleins "Gwendys Wunschkasten" ist eine Enttäuschung. In der langweiligen Fortsetzung passiert nahezu nichts, das von Belang wäre, es fehlen Tiefe, Hintergründe und Erklärungen und das Ende ist, vorsichtig ausgedrückt, haarsträubend und. 

Schade, weil die Story auch aufgrund des Vorgängers mega viel Potenzial gehabt hätte - da war so viel rauszuholen und alles ist verpufft!

Wunderbar zu beobachten ist allerdings, wie schlecht einer Geschichte gedient ist, wenn jemand die Ich-Form als Perspektive und die Gegenwart als Zeitform wählt, diese Kunstgriffe aber nicht wirklich beherrscht. Wäre ich Uni-Dozent in Literaturwissenschaft, würde ich möglicherweise diese Novelle als schlechtes Beispiel meinen Stundenten vorstellen, sie hat alles, was man dafür braucht. 

Ursula Poznanski: "Fünf"

Der erste Kaspary-Wenninger-Fall mit einer schrägen Geoaching-Suche, die mit reichlich Leichen und einem originellen Twist aufwartet. Obwohl ich recht rasch die Auflösung bereits erahnte - als Autor dieser Geschichte hätte ich das Ende GENAU SO gestaltet! - war ich gefesselt und hingerissen. Ich bin seit "Erebos" und "Saeculum" ein Poznanski-Fan und wurde auch mit diesem Serienauftakt nicht enttäuscht.

Ursula Poznanski: "Blinde Vögel"

Teil zwei musste sich sofort anschließen, Kaspary und Wenninger also zum Zweiten. Hier wurden Morde rund um eine ominöse Lyrik-Gruppe bei Facebook untersucht. Ebenso kurzweilig und spannend. Glaubwürdige Figuren, interessanter Plot, toll erzählt.

Ursula Poznanski: "Stimmen"

Und auch Nummer drei durfte nicht warten, diesmal drehte sich alles um einen toten Arzt in einer Psychiatrie. Was soll ich sagen - Ich hab's verschlungen.

Megan Goldin: "The Escape Game"

Atemberaubender Thriller über vier in einen Fahrstuhl eingeschlossene, skrupellose Banker mit einer packenden Hintergrundgeschichte. Fesselnd und beklemmend.

Regine Kölpin: "Oma macht klar Schiff"

Dieses Buch habe ich hier rezensiert.

Meine Sach- und Fachbücher im April 2022:

 

Stefan Bonner / Anne Weiß: "Generation Doof"

Nicht mehr neu, aber immer noch schlimm. 😔 Eine für mich eher bittere als lustige Abrechnung mit der Generation, der ich altersmäßig auch angehöre und die etwas pauschal und sehr überspitzt als lebensunfähige und inkompetente Masse an tumben Idioten präsentiert wird. Einzelbeispiele und reichlich statistisches Material untermauern das Urteil, über das zu diskutieren wäre. Aufgrund des definitiv wahren Kerns machte die Lektüre aber weniger Spaß als erwartet und Lösungsvorschläge für das Problem hat sie auch nicht wirklich parat. Deprimierend.

Lorenz Wagner: "Der Junge, der zu viel fühlte"

Geschrieben ist es eigentlich als Roman, aber in einem solch sachlichen und sprachlich einfachen Stil, dass ich es auch aufgrund der vielen Informationen, die außerdem enthalten sind, eher dieser Kategorie als zugehörig empfinde. In diesem Buch wird ein Teil der Lebensgeschichte des Hirnforschers Henry Markram und seines autistischen Sohns Kai beschrieben, verbunden mit der Forschung nach neuen Erkenntnissen, die sich deutlich von den bisher in der Wissenschaft etablierten Theorien abheben: 

So behauptet die "Intense Mind Theory", dass Autisten eher zu viel als zu wenig fühlen, wie bisher propagiert wurde - und stellt damit das bislang bekannte und anerkannte Bild über die Störung völlig in Frage. Ich persönlich finde die Theorie absolut faszinierend und kann mich sehr gut mit ihr anfreunden. Zudem berührt mich, wie weit eine Familie und ein Forscherteam geht, um nach Heilung und Linderung für ein Kind zu suchen, das ihnen am Herzen liegt und damit letztlich allen Betroffenen zu helfen vermag.

Die Geschichte selbst ist faszinierend, schenkt neue Perspektiven und bringt auch gleich wie nebenbei jede Menge Informationen zum Autismus mit. Mit dem Schreibstil bin ich allerdings gar nicht warmgeworden. Mit seinen Ellipsen und dem Stakkato-Stil lädt das Buch nicht so wirklich zum stundenlangen genüsslichen Schmökern ein. 

Für alle, für die das Thema Autismus relevant ist, trotzdem ein Muss, gerade weil es einmal eine ganz andere Perspektive aufzeigt und out of the box denkt.

Petra Bock: "Mindfuck Job"

Neben Mindfuck, Mindfuck Coaching und Mindfuck Love (die ich auch alle kenne), ist dies das vierte Buch aus der Reihe, das sich mit klassischen Denkblockaden beschäftigt, mit denen wir uns das Leben (in diesem Fall die Karriere) ruinieren oder zumindest schwermachen. Es zeigt Ursachen und Lösungsansätze auf, ist gut zu lesen, bietet definitiv einen Mehrwert. Interessanterweise empfand ich die Lektüre trotzdem am Ende als irgendwie "überflüssig" und öde. Ich bin mit diesem Buch nicht in Resonanz gegangen, was aber vermutlich am Thema lag. Anderen, die gerade (so wie ich früher sehr lange Zeit auch) mit ihrem Job hadern, hilft es sicher prima weiter! 

Annette Bokpe / Annette Müller: "AmazinGrace"

Eine nervtötende Werbebroschüre für die angeblich perfekte Geistheilungsmethode, in der die Propaganda für das eigene Gesundheitszentrum mehr als schlecht verpackt ist. Ich hatte mir von diesem Buch viel versprochen, da ich offen für diese Themen und immer auf der Suche nach neuem Input bin. Aber es kommt nichts als heiße Luft, seitenweise Lobhudeleien und Stimmen angeblicher Kunden und Werbeteilnehmer, die in den höchsten Tönen schwärmen. Dabei bleibt die eigentlich Methode aber seltsam schwammig und wenig greifbar - Fakten sucht man vergebens. Schließlich wird das jahrtausendalte und etablierte Reiki als "Konkurrenz-Methode" auch noch als "zu schwach" verunglimpft und spätestens an dieser Stelle hatten die Autorinnen mich (Reiki 2. Grad und ziemlich zufrieden mit dieser "schwachen" Methode, die weltweit Verbreitung findet) verloren. Ich empfehle eine kritischere Perspektive auf das eigene Tun und einen Marketing-Basiskurs!

Deepak Chopra: "Die sieben Schlüssel zum Glück"

Eine für westliche Gemüter eher ungewöhnliche Art, auf Glück und Erfüllung im Leben zu blicken. Mit Praxistipps, daher recht gut umsetzbar. Die Tauglichkeit derer muss freilich im Alltag erst getestet werden. Gefiel mir gut, aber das ist bei Chopra in der Regel meistens so.