Montag, 23. November 2020

Rezension der Erzählung "Life - Magical bird" von Tina Hope

Handlung:
Life - Magical bird - Cover

Helfen, ohne einen Dank zu erwarten. Hoffen, obwohl es hoffnungslos ist. Glaube an das Schicksal. Viola hat jede Hoffnung verloren. Bald wird sie das Häuschen, das sie von ihrer Großmutter geerbt hat, an die Bank verlieren. Da rettet sie einen kleinen Vogel vor einem Adler. Life, ... kehrt mit ihm das Glück zurück?

Mein Eindruck:

Tinas Büchlein ist schnell gelesen, denn es ist eine kleine Erzählung, die nur wenige Seiten hat. Die zauberhafte Geschichte ähnelt einem Märchen - sie ist nur ein bisschen moderner, enthält aber mindestens ebenso viele Wahrheiten! 

Wahrheiten, die wir heutzutage in unserer schnelllebigen und manchmal sehr egoistischen Welt häufig vergessen! Dabei ist es doch recht einfach und fast schon so etwas wie ein Naturgesetz: Hilfst du anderen Wesen, wird dir auch geholfen! 

In der Realität geht diese Theorie leider nicht immer auf, aber die Botschaft dahinter bleibt universal: Menschen, die das Leben anderer Geschöpfe bereichern, sind ein Geschenk für die Welt. Unsere Welt - wir alle - brauchen Hingabe, Mitgefühl und urteilsfreie Zuneigung mehr denn je!

Die Hauptfigur Viola steckt selbst bis über beide Ohren in Schwierigkeiten, was sie aber nicht davon abhält, dem verletzten Vogel zu helfen. Wie es im Märchen üblich ist, wird sie dafür belohnt - aber macht Helfen nicht dann auch Sinn, wenn man eben nicht unmittelbar etwas dafür zurückbekommt? Klar, würde Viola selbst sagen, und genau DAS ist auch ihre Botschaft an uns: Mach die Welt ein bisschen heiler und schöner! Bring dich ein, gib etwas, das jemand Anderes braucht, kümmere dich um deine Mitgeschöpfe! Die Wahrheit ist ja: Wenn ALLE sich um die Anderen kümmern würden, dann würden auch ALLE jemanden haben, der sich um sie kümmert. Eine Utopie, freilich - aber schön und herzerwärmend und ein kleines Vorbild.

Das heißt nun nicht, dass man sich selbst immer aufopfern und sich Bösartigkeiten, sollten sie auftreten, gefallen lassen soll! Ebenso wichtig wie Mitgefühl und Nächstenliebe sind Selbstliebe und die Wahrung der eigenen Grenzen. Aber mit offenen Augen und beseeltem Herzen durchs Leben zu gehen ist auf jeden Fall ein guter Weg, um mit sich selbst und seinen Mitgeschöpfen in Frieden und Erfüllung zu leben und gern in den Spiegel zu schauen! Und dieses Mitgefühl bezieht sich nicht nur auf die Menschen um uns herum, sondern auf alle Wesen, die in der Natur leben, einschließlich der Tiere und Pflanzen. Insofern steckt auch ein kleiner erhobener Zeigefinger in der Geschichte - aber keine Sorge, er ist so liebevoll und geschickt verpackt, dass er sich gar nicht wie einer anfühlt!

Fazit:

Ich finde, dieses wunderbare kleine Büchlein eignet sich sehr gut für ein Geschenk mal zwischendurch. Es regt dazu an, sich selbst zu überlegen, wie oft und gern man anderen Geschöpfen seine Hilfe zur Verfügung stellt und auch, wie dankbar man eigentlich für das ist, was man hat. Berührend!

Quelle: Cover und Handlung

Donnerstag, 19. November 2020

Rezension des Romans "Der Nordseehof - Als wir träumen durften" von Regine Kölpin

Handlung:
Der Nordseehof - Cover

»Wir müssen nach vorn sehen. Da liegt die Zukunft.«

In diesem ersten Band ihrer Saga um den ostfriesischen Nordseehof erzählt Regine Kölpin – spannend, bewegend und voller norddeutscher Atmosphäre – den Beginn einer dramatischen Emanzipationsgeschichte um drei Frauen aus drei Generationen.  

Ostfriesland, 1948: Johanna, Tochter eines Großbauern, verliebt sich in den Schlesien-Flüchtling Rolf – eine Liebe, die keine Zukunft hat, denn Johanna ist bereits dem wohlhabenden Hoferben Eike versprochen. Doch die beiden hören nicht auf zu träumen – von dem Glück der Heimat, der Wärme einer Familie und ihrer gemeinsamen Zukunft.

Der Nordseehof: Vor der stimmungsvollen Kulisse der norddeutschen Landschaft entfaltet sich eine opulente Familiensaga über die Macht der Träume und den Wunsch nach Freiheit, über verbotene Liebe und wahre Heimat. 

Mein Eindruck:

Auf dieses Buch habe ich mich besonders gefreut, weil ich genau in der Gegend lebe, in der es spielt - allerdings etliche Jahrzehnte später. Und so holte das Buch mich auch direkt dort ab und es fiel mir nicht schwer, mich ins Ostfriesland der Nachkriegszeit einzufühlen.

Regine Kölpin hat einen sehr schönen Auftakt für eine Familiensaga hingelegt: Beschrieben werden die Lebens- und Liebeserfahrungen der jungen Bäuerin Johanna und des schlesischen Flüchtlings Rolf, die ineinander verliebt sind, denen aufgrund der Lebensumstände und Familien aber kein Glück beschieden zu sein scheint. 

Zunächst ist das in der Tat die dramatische Entwicklung einer unerfüllbaren Zuneigung mit viel Sehnsucht und Herzschmerz, aber darüber hinaus ist es noch viel mehr: Neben den realistischen und anschaulichen Beschreibungen der Lebenswelt der ostfriesischen Bauernfamilien und der Natur (!) sind es auch Themen wie Rassismus und die tabuisierten Kriegsfolgen, die in den Fokus genommen werden. Da Johanna eine fortschrittliche und auf ihre Art eigensinnige Frau ist, kommen auch erste zarte Emanzipationsbestrebungen nicht zu kurz. Die starren und althergebrachten Strukturen werden lebensah beschrieben und ich fragte mich beim Lesen oft, wie ich selbst wohl in einer bestimmten Situation reagiert hätte. Es ist dem Können der Autorin zu verdanken, wenn man sich als Leser in eine solche "altmodische" Denkweise gut einfühlen kann, denn heuztutage erscheint sie uns natürlich eher fremd und überholt.

Der personale Erzähler bringt den Lesern die Sichtweisen der beiden Hauptfiguren im Wechsel nahe und so lässt sich umso eindringlicher verfolgen, wie weit sich die unterschiedlichen Lebenswege auseinanderbewegen. Dabei geht die Autorin sehr einfühlsam vor: Sie mag ihre Figuren, schenkt ihnen Raum und Entfaltung und verzichtet auf Längen oder Überflüssiges. 

Besonders gut hat mir die authentische Sprache gefallen: Durch die Verwendung typisch norddeutscher Begriffe in der Figurenrede werden bei einheimischen Lesern Heimatgefühle geweckt und es ist sehr leicht, die Figuren und deren Aktivitäten vor dem geistigen Auge erscheinen zu lassen. Immerhin sitze ich recht häufig selbst auf einem der Deiche, wie Johanna und Rolf sie erlebt haben. Schafe gibt es dort immer noch! Daraus entwickeln sich fast automatisch interessante Überlegungen, wie die Leute dort wohl früher gelebt haben. Nun, dank Regine Kölpin habe ich einen Einblick erhalten. :-)

Der Roman ist sehr gut recherchiert, denn er baut auf vielseitiges Hintergrundwissen, ohne seine Leichtfüßigkeit zu verlieren. Ich kann mir vorstellen, dass es Regine Kölpin viel Freude bereitet hat, in diese Materie einzutauchen und immer mehr darüber zu erfahren. Spannung ergibt sich natürlich aus der Frage, ob Johanna und Rolf doch vielleicht zusammenkommen, aber für mich persönlich waren die familiären Strukturen und deren Auswirkungen auf die einzelnen Menschen erheblich interessanter. Deshalb freue ich mich auf die Lektüre der Folgebände, welche die nächsten Generationen begleiten und auch in der Geschichte fortschreiten werden.

Fazit:

Eine Familien- und Liebesgeschichte in historischem Setting, die viele Themen geschickt anklingen lässt. Absolut geeignet zur Entspannung UND Informationssammlung - ein rundum schönes Leseerlebnis!

Das Buch wurde mir im Rahmen eines Gewinnspiels von der Autorin zur Verfügung gestellt, wofür ich von ganzem Herzen danke. Meine Meinung hat das nicht beeinflusst.


Quelle: Cover und Handlung

Donnerstag, 5. November 2020

Du wirst vermutlich nie ein Bestsellerautor werden! - Warum du trotzdem schreiben solltest

Aus der Autorenwerkstatt

Monatelang im einsamen Stübchen am Rechner sitzen und tippen... Das Essen und Trinken und Schlafen vergessen... Den Kopf voller Träume und eine schillernde Perlenkette von Worten um das Herz, die kein Ende zu nehmen scheint... 

Du steckst Leidenschaft, Zeit, Energie und Mühe in dein Werk und irgenwann kannst du dir stolz auf die Schulter klopfen: Du hältst es in den Händen, deine Träume im Kopf und deine Worte im Herzen sind zu Papier geworden, über das deine Finger streichen, während du nicht weißt, ob du lächeln oder eine Träne vergießen sollst, weil ein fertiges Buch wunderbar und ein Abschied zugleich ist.

Okay, eine sehr romantisierte Vorstellung vom Schriftstellerdasein, ich geb es zu! 

Aber träumen nicht alle, die schreiben, vom großen Durchbruch? Vom eigenen Liebling, liebevoll im Schaufenster der Buchhandlungen dieses Landes in Szene gesetzt? Hochgelobt vom Leserpublikum und ernsthaft besprochen von der Literaturelite, die vor Staunen die Münder und Augen aufreißt und ganz und gar zu kritisieren vergisst?

Na klar! Manch Einer gibt es zu und ein Anderer nicht, womöglich nicht einmal vor sich selbst. Aber diesen Traum kennen viele, die schreiben - er ist das Ziel aller Wünsche, der Endgegner, das Paradies mit ihren ewigen Verheißungen.

Die Realität sieht jedoch anders aus. 

Egal, wie sehr du dich abstrampelst: Du bleibst im Schatten, wo du nicht gesehen wirst. Nur Wenige hören es, wenn sich deine erzählende Stimme erhebt und deine frisch gedruckten Bücher bleiben jungfräulich rein, weil kaum jemand sie zur Hand nimmt, um zärtlich ein kleines Eselsohr hineinzuknicken. Vielleicht hast du das Zeug dazu, ein berühmter Autor zu werden, der vom Schreiben gut leben kann, vielleicht auch nicht. Vielleicht hast du das Zeug dazu, aber aufgrund der Umstände - wenig Geld, wenige zweckdienliche Beziehungen, wenig Reichweite - nützt dir das nichts und du bleibst trotzdem ein kleiner Schreiberling, der vor sich hindümpelt und jeden seiner Fans noch persönlich kennt. Die Chancen, aufzusteigen und explosionsartig den Schriftstellerhimmel zu erhellen, sind statistisch gering, jedenfalls so lange, bis ein beliebter Promi dein Buch in eine Fernsehkamera hält. Eine Möglichkeit, die auch sehr wahrscheinlich nicht eintreten wird. 

(Vielleicht bist du auch ein Beststellerautor oder auf dem Weg dahin, aber dann brauchst du diesen Artikel nicht zu lesen, es sei denn zur Unterhaltung.)

Für viele Andere gilt: Allein bist du damit jedenfalls nicht. Weit mehr als die Hälfte aller AutorInnen kann mit den Büchern nicht mal ansatzweise einen vernünftigen Lebensstandard errreichen und nicht wenige legen sogar noch drauf, weil es Geld kostet, etwas qualitativ Hochwertiges zu produzieren, und weil die Gewinne die investierten Beträge manchmal nicht ausgleichen.

Was die meisten Leute nicht wissen und was oft für Verwunderung sorgt, ist die Tatsache, dass ein Autor in der Regel nur einen sehr geringen Betrag pro verkauftem Buch ausgezahlt bekommt. Man muss schon Unmengen davon verkaufen, damit diese Beträge überhaupt ins Gewicht fallen. Den Rest stecken sich Verlage, Dienstleister und der Handel ein. 

Ob du als Selfpublisher alles allein machen (und bezahlen) musst und sich das nicht zu lohnen scheint oder ob dein Verlag dir nur ein mickriges Honorar zahlt, ob deine Verkäufe dir die Tränen in die Augen treiben oder du dich wie der letzte schreibende Vollidiot fühlst:

Du solltest mit dem Schreiben trotzdem nicht aufhören!

Wie jeder Angehörige der schreibenden Zunft habe auch ich mir im Laufe meiner literarischen Entwicklung Gedanken zu dieser Frage gemacht, wenn die Zweifel überhandnahmen und die positiven Effekte dieser Tätigkeit zu überwiegen schienen. 

Falls es dir auch manchmal so geht: Ich liste dir heute ein paar Gründe auf, warum du trotz enttäuschter Erwartungen, fehlender Gewinne und nicht erreichter Erfolge unbedingt weiterschreiben solltest. Lies sie, wenn dich mal wieder das Zaudern und Zweifeln packt und erfreue dich an allem, was die Literatur dir zu schenken hat!

Ein paar Gründe, um weiterzuschreiben:

1. Erfolg und Geld sind nicht das Maß aller Dinge

...sagt der Bohème, der selbst nichts von Wert auf die Reihe kriegt und die Trauben zu sauer finden muss, die er nicht erreichen kann! 

Aber ja, und er sagt es deshalb, weil es einfach stimmt!

Eine weitverbreitete Ansicht, die so manchen Künstler in die Knie zwingt und dafür sorgt, dass sich immer mehr Individuen bis zur Groteske anpassen, verbiegen und selbst verleugnen! Oder gleich ganz aufgeben, sich in die öden Strukturen des Arbeitsmarkts einfügen und Dienst nach Vorschrift leisten, ohne den kleinsten Hauch Kreativität. Ihrer Kunst - welcher Art auch immer - den Rücken kehren und sich mit handfesteren Dingen beschäftigen, dabei aber leiden und unglücklich oder krank werden. 

Aber es ist nur eine Seite einer Medaille! 

Die andere Seite zeigt ein anderes Bild: Immer schon gab es Idealisten, Aussteiger, Menschen, die mit Chuzpe und Charme ihr eigenes Ding durchgezogen haben und dabei nicht einmal unglücklich waren, weil ihnen Luxus, oberflächliche Unterhaltung und die Lobhudeleien der Elite versagt blieben. Weil es eben doch auch noch andere Werte im Leben gibt! Etwa Schöpferkraft und Verbindung zur Natur, Ästhetik, Kunst und Kultur, Schönheit und Wahrheit, Zwischenmenschlichkeit und Mitgefühl. 

Mir scheint, mehr und mehr Menschen überlegen ganz genau, welche Werte und Prinzipien sie in ihrem Leben und für ihr Fühlen, Denken und Handeln als Grundlage wählen wollen. Dabei schneidet der klingende Taler nicht immer gut ab! Im Gegenteil - es dürfte in der Zukunft zu einer Abkehr von ausschließlich monetären Aspekten kommen und andere Werte werden sich mehr Raum erobern. Deshalb ist es weder naiv noch bescheuert, sich selbst als Botschafter einer neuen Zeit zu verstehen. Das ist, was Kunst unter anderem auch kann.

2. Schreiben ist einfach geil.

Schreiben ist wie intellektuelles Bungeejumping! Es ist ein Abenteuer, bei dem du ständig etwas Neues erlebst und Erfahrungen machst, die über einen "gewöhnlichen" Lebenshorizont hinausgehen. Neben deinem Selbstbild erweiterst du als Autor auch deine Erlebniswelt: Du kannst alles sein, alles werden, alles ausprobieren - und zwar zu Hause am Schreibtisch! Wenn das mal nicht großartig ist, dann weiß ich es auch nicht!

3. Du schärfst deine Beobachtungsgabe und deine Aufmerksamkeit.

Zwangsläufig tust du das, denn sonst könntest du kaum über die Dinge erzählen. Schreibende Menschen nehmen Details wahr, die Andere übersehen. Damit sammeln sie nicht nur Rüstzeug für ihre Texte, sondern tun auch ihrer seelischen und körperlichen Gesundheit etwas Gutes, weil Achtsamkeit Ruhe und Erholung ins Leben bringt.

4. Du machst mindestens einen Menschen glücklich.

Nämlich dich selbst, weil du tust, wofür du gemacht bist! Es ist aber höchst wahrscheinlich, dass sich andere Menschen von deiner Arbeit angezogen fühlen werden. Wenn du einmal die Nachricht, dein Buch habe ein Herz erfüllt, erhältst, dann weißt du, was ich meine! Vielleicht ist es ein Mensch, vielleicht sind es zehn, vielleicht hundert... Lohnt es sich nicht schon für diesen einen? 

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Rezensentin habe ich schon einige Autoren und Autorinnen kennenlernen dürfen, deren Bücher MICH glücklich gemacht haben. Egal, wie erfolgreich sie sich nach konventionellen Definitionen auf dem Markt positionieren können: ICH bin sehr glücklich darüber, dass sie schreiben! Zudem liefern sie mir immer wieder aufs Neue den Beweis, dass die Qualität eines Textes nicht notwendigerweise mit seinem Echo im Haifischbecken Buchbranche konform gehen muss.

5. Deine Eloquenz wird rekordverdächtig geschliffen.

Naja, vielleicht nicht ganz, aber ganz sicher wirst du an mündlicher und schriftlicher Ausdrucksfähigkeit dazulernen. Dein Stil wird klarer, dein Ausdruck treffender! Bücher sind aufgrund ihrer komplexen Struktur die Königsdisziplin beim Schreiben. 

Nachdem ich in jungen Jahren mein erstes Buch fertiggestellt hatte, war meine Überzeugung, wenn ich DAS geschafft habe, wuppe ich auch jeden anderen Text. (Unabhängig von der Publikation übrigens! Es zählte, dass ein Buch geschrieben war.) In der Tat habe ich schon unzählige Arten von Texten verfasst: Zeitschriftenartikel, Reportagen, Marketingtexte, Pressemitteilungen, parlamentarische Initiativen für den Landtag, Aufsätze, wissenschaftliche Essays und viele mehr. Keiner ließ mich verzweifeln, weil der höchste Berg - ein ganzes, fertiges Buch - bereits hinter mir lag. 

6. Du kannst dich vernetzen.

Wenn du willst und dich darum bemühst, führt deine schriftstellerische Tätigkeit zu intensiven Begegnungen mit Gleichgesinnten. Super, um mehr zu lernen, neue Ideen zu entwickeln und Rückenwind zu bekommen!

7. Deine Kommunikationsfähigkeit und dein Einfühlungsvermögen nehmen zu.

Das tun sie, weil du dich ja auch in deine Figuren hineindenken und -fühlen musst, um sie glaubwürdig darzustellen, und weil du anfangen wirst, die Welt um dich herum genauer zu beobachten. Du wirst fragen oder selbst herauskriegen, was Motivationen von Menschen sind, wie sie sich verhalten, was sie sagen, welche Körpersprache sie zeigen und tausend Dinge mehr! Dir werden Stimmungen und Emotionen vertraut, die du von dir selbst vielleicht nicht kennst. Du erweiterst deine gesamte Persönlichkeit um wertvolle Aspekte, die dir auch im Alltag weiterhelfen.

8. Du kultivierst berufsrelevante Fähigkeiten.

Diszipliniert weitermachen, obwohl du keine Lust hast? Dein Ziel im Blick behalten und fokussiert verfolgen? Durstrecken aushalten, ohne die Motivation zu verlieren? Etwas bis zum manchmal bitteren Ende durchziehen? Improvisieren, wenn du in eine Sackgasse gelangst? 

All das sind Meisterqualitäten von allen, die es geschafft haben, ein Manuskript zu beenden. Und sie sind auch in fast jedem Job Gold wert! Was du beim Schreiben lernst, kannst du beruflich und privat auch in anderen Bereichen nutzen, sowohl was deine Soft Skills, als auch was dein Wissen angeht.

9. Du lernst, strukturiert zu arbeiten und dich zu organisieren.

Ganz sicher wirst du das, weil du ohne Struktur in deinem Buchchaos versinken und niemals fertigwerden würdest. Wer einen komplizierten Plot aufräumt, der schafft das auch im eigenen Leben und Arbeiten.

10. Deine Kreativität und Fantasie erreichen ungeahnte Höhen.

Es liegt natürlich an dir selbst, wie tief du in deine imaginäre Welt eintauchst und was du aus ihr mitnimmst. Fakt ist aber, dass jede Nutzung der Vorstellungskraft sie erweitert. Und diese Erweiterung ist durch keinerlei Grenzen eingeschränkt. 

11. Du wirst stolzer und selbstbewusster.

Selbstredend! Du hast etwas geschaffen und du hast etwas geschafft! Ob gut oder nicht, ob erfolgreich oder ein Nischenprodukt, ob versilbert, vergoldet oder ganz und gar nackt: Vergiss nicht, dass etliche Menschen den Traum vom Buch eben nicht realisieren. Du aber schon - und dafür brauchst du eine Menge Fähigkeiten wie die bereits genannten, die du dann offensichtlich ja alle besitzen musst! Das ist ein absolut ausreichender Grund, um den Kopf zu heben und der Welt zu zeigen, wer du bist!

12. Du rettest die Welt.

Natürlich nur in einem ganz winzigen Rahmen. Aber du bringst etwas in die Welt, das ihr guttut und sie bereichert. Das kann nicht jeder Mensch von sich sagen! Andere Menschen tun Gutes in anderen Bereichen, sie kümmern und sorgen sich, pflegen, schützen und engagieren sich. Dies kann DEIN Beitrag sein, die Welt ein bisschen besser zu machen.

13. Du kannst nicht anders.

Dir wurde, wie es aussieht, ein Talent in die Wiege gelegt (sonst hättest du nicht den Drang, es auszuleben) und jedes Talent will genutzt sein. Natürlich musst du aus deinen Fähigkeiten nicht das Beste machen, es gibt keine rechtliche, moralische oder sonstige Verpflichtung. Aber du wirst es deutlich spüren, wenn du gegen deine Natur lebst und dann kannst du nur heil und ganz werden, wenn du deinem Talent Raum gibst, um sich zu entfalten. Lass dich dabei nicht entmutigen oder irritieren von anderen Einstellungen, wenn du deine eigene als richtig empfindest.

Jeder Tag, an dem du dich schlafen legst mit dem Gedanken: Heute habe ich etwas getan, was mich erfüllt hat und mir entsprach, wird ein guter Tag gewesen sein. 

Fazit:

Du siehst, unabhängig von der Resonanz auf dein veröffentlichtes (oder zu schreibendes) Werk gibt es eine Menge Gründe, die das Schreiben zu einer wunderbaren Tätigkeit machen! 

Bleib dran und lass dich nicht beirren, falls jemand dir reinredet oder dein eigener innerer Kritiker eine wüste Anti-Rumba zu tanzen beginnt! Schreiben ist geil! Schreiben macht Sinn! Schreiben hat viele Geschenke für dich im Gepäck! Bleib dabei, wenn du magst. Selbst wenn du am Ende selbst das Eselsohr in deine Seiten setzen musst, damit dein Buch gelesen aussieht!

Mittwoch, 4. November 2020

Die Krisen spitzen sich zu - Überleben in einer absurden Welt

Ich äußere mich öffentlich kaum je politisch und dass, obwohl ich doch etliche Jahre lang intensive politische Arbeit geleistet habe, die weit bis in die Erfahrungswelt des niedersächsischen Landtags hineinreichte. Zudem bin ich Soziologin, habe die Gesellschaft und ihre Entwicklungen studiert und beobachte das Weltgeschehen daher auch immer mit einem distanzierten, wissenschaftlichen Auge - und zunehmend mit großen Befürchtungen. 

Trotzdem hielt ich mich bislang zurück, was Äußerungen zu politischen und gesellschaftlichen Themen anging, weil ich mit meinem Blog einen Rückzugsort schaffen wollte, in dem eben nicht diese Themen im Fokus standen, sondern das, was unser Leben schöner und besser macht.

In letzter Zeit jedoch bemerke ich zunehmend Veränderungen im Außen, die auch mein Inneres nachhaltig erschüttern und ich habe mich dazu entschieden, die bewusst ausgelassenen Themen wieder aufzugreifen. Ich empfinde Angst und Mutlosigkeit, die sowohl meine eigenen Emotionen, als auch die meiner Mitmenschen sind, welche sich in meiner Seele spiegeln und sich mir aufdrängen, ob ich will oder nicht. Ich schlafe nachts nicht mehr gut und kann mich schlecht konzentrieren. Im Grunde zeige ich viele Anzeichen einer Überlastung, obwohl meine persönliche Situation diesen empfundenen Stress nur in Teilen rechtfertigt. 

Lasst mich deshalb ein paar Worte formulieren, die mir im Alltag durch den Kopf gehen. Es sind Gedanken, die mich quälen und belasten, aber aus ihnen entstehen auch solche, die mich trösten, mir Hoffnung geben und mich wieder ein Stück weit zuversichtlicher in die Zukunft blicken lassen.

Vielleicht dienen sie euch auch dazu, euch getröstet, verstanden und zumindest nicht mehr so allein mit euren Kopfgeistern zu fühlen. 

Völlige Reizüberflutung und Überfordung? Missmut, Wut, Angst?

In diesen Tagen traut man sich kaum, den Fernseher anzuschalten. Anschläge in Frankreich und in Wien, in denen wieder Unschuldige ihr Leben lassen, weil die Seuche des Terrors erneut um sich greift. Das Kopf-an-Kopf-Rennen der Präsidentenwahl zwischen dem gefährlichen Hohlkopf Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden, der - egal, wie er ausgeht - Katastrophen nach sich ziehen kann. Die Corona-Krise mit all ihren Auswirkungen: Kranke, Tote, ein möglicherweise bald überlastetes Gesundheitssystem, eine überforderte Politik, Existenzeinbrüche, die Leugner und Schwurbler, die Unfrieden stiften und die Maßnahmen boykottieren, eine ungewisse Zukunft, Lockdown light, ungeschützte LehrerInnen und SchülerInnen an den Schulen dieses Landes und allerorten viel Ratlosigkeit und Furcht. 

Dazu all die Probleme gesellschaftlicher Art, die wir ja auch vorher schon hatten, wie beispielsweise die himmelschreiende soziale Ungerechtigkeit, die immer weiter zunimmt und der Klimawandel, der das Potenzial hat, nicht nur unsere Spezies, sondern den ganzen Planeten auszulöschen. Und die persönlichen Sorgen und Nöte, die in unserer überkomplexen, unsicheren und unüberschaubaren Welt auch nicht kleiner werden.

Die Nachrichten gleichen einem Horrorfilm mit schlechtem, weil überladenem Plot und inzwischen stellen sich mir die Nackenhaare auf, sobald ich eine der bekannten Nachrichtensprecherstimmen vernehme und ich denke beinahe automatisch: "Was für eine neue Hiobsbotschaft haben sie heute im Gepäck?"

In einer solchen Zeit scheint es schwer möglich, Gelassenheit oder sogar ein bisschen Glück zu finden, weil ein wilder, unangenehmer Gefühlsmix alles überschattet und die Probleme welche sind, auf die man selbst nicht einen winzigen Fitzel Einfluss hat. 

Ohnmacht also, ein schlimmes Gefühl!

Die Wahrheit ist: Unsere Welt ist am Arsch! Und wir sind es mit ihr! Viele Menschen spüren das in diesen Tagen deutlich wie nie und es sieht nicht danach aus, als würde sich die Lage in der nächsten Zeit verbessern. Also, was tun?

No coaching today, sorry.

Heute habe ich keine Coachingtipps für euch. Ein paar Ideen etwa gegen herbstlich-saisonales Unwohlsein zu posten wäre, wie ein Pflaster auf einen Körper zu kleben, der mit zig Messerstichen drangsaliert wurde: Bemüht zwar, aber ein bisschen lächerlich. Ihr müsst euren Weg durch das Dickicht unserer ungemütlichen Zeit also leider selbst finden. 

Aber ich kann euch sagen, was ICH tue, im Rahmen meiner wirklich beschränkten Möglichkeiten, damit es mir besser geht. Vielleicht habt ihr ja ähnliche - oder ganz andere - Gedanken?

Ich lasse zu, dass mein Weltgefüge erschüttert wird und ziehe meine Lehren daraus. (Als Wendekind kenne ich das ja schon. Ich habe schonmal erlebt, dass kein Stein auf dem anderen blieb und meine Welt, wie ich sie kannte, plötzlich nicht mehr existierte.)

In einer Welt, in der die alten Normen und Regeln nicht mehr gelten, in einer Welt, die die Vernunft hinter sich gelassen hat, wäre es idiotisch, sich selbst noch einem überholten Kodex zu verpflichten, der sowieso Makulatur ist! Bis gestern waren Selbstoptimierung, Erfolgsstreben, Ellbogendenken unsere Götzen. Es galt etwas zu erreichen! Höher, schneller, weiter! Niemals verschnaufen, denn das gilt als faul, sich immer weiterentwickeln, besser werden, mehr leisten, mehr dienen und mehr VERdienen, sich stärker verbiegen, um - Ja, warum eigentlich? 

War das nicht ein irrer Alltag, in dem man seine eigene Stimme nicht vernahm, weil alle um einen herum zu laut waren? In dem man die eigenen Bedürfnisse und Grenzen ignorierte, bis man zusammenbrach? Für einen Job, für ein bescheidenes Einkommen, für Prestige und Status, für Konsum - Ja, wofür eigentlich?

Dieses Hamsterrad habe ich - wie viele - zunächst erzwungenermaßen, dann freiwillig verlassen und ich verspüre keinerlei Lust, es wieder zu betreten. Neulich noch versuchte ich über Gebühr, mich anzupassen, allen und allem gerecht zu werden, meinen mir angedachten Platz in der Gesellschaft pflichtbewusst und PERFEKT auszufüllen. Wie viele Menschen sehnte ich mich nach Anerkennung, die nie kam. Wie viele Menschen nahm ich mir kaum je Zeit, die Dinge zu überdenken oder mich zu fragen, worum es in meinem Leben eigentlich wirklich gehen soll. Wie viele Menschen lieferte ich, ohne zu hinterfragen, und begriff erst spät, dass ich auf völlig falschen Pfaden unterwegs war. Dass ich mich von Ängsten und oberflächlichen Wünschen treiben ließ und mich selbst dabei aus den Augen verlor. Dass meine Antreiber von außen kamen und meinen eigenen echten Sehnsüchten nicht mal im Ansatz entsprachen!

Diese Zeiten empfinde ich als vorbei. Sie werden nicht zurückkehren, wenn Corona vorüber ist und auch die anderen Krisenherde sich beruhigen. Jedenfalls für mich nicht! Im Grunde ist mein Wunsch, mein Leben mit Tätigkeiten zu verbringen, die mich erfüllen, die ich gut kann, die etwas Gutes in die Welt tragen. Ich möchte mit Leidenschaft und Überzeugung tätig sein. Ich möchte meine Aufgaben sorgfältig, in Ruhe und mit Liebe erledigen. Wenn mich etwas berührt, schenke ich ihm meine ganze Kraft, meine volle Aufmerksamkeit und mein gesamtes Potpourri an wunderbaren Fähigkeiten! Unter den gewohnten Arbeitsbedingungen ist das bislang schwer bis gar nicht möglich gewesen, da wird sich Einiges ändern müssen. Zum Glück, darauf vertraue ich, wird früher oder später auch das starrste und widerspenstigste aller Systeme zu Veränderungen gezwungen, wenn es sich selbst überlebt hat. 

Ich weiß jetzt, wer ich bin, was ich kann, was ich will, denn ich hatte viel Zeit, um nachzudenken.  

Und ich möchte nicht mehr perfekt sein müssen, kein perfektes Leben mehr führen müssen. Ohne Scham und Schuld will ich alles an mir anerkennen, was da ist, Fehler machen, Schwäche zeigen, irren, fallen, aufstehen und es neu versuchen. Die Welt ist ja auch nicht perfekt, wie sie wohl bewiesen hat! Woher nähme sie die Arroganz, dies von mir zu verlangen? 

Ich nehme mir die Freiheit heraus, die Dinge neu und anders zu bewerten.

Denn auch die eigene innere Einstellung spielt eine große Rolle! 

Die Götter von gestern entlarven sich selbst als Gespenster, deren Spuk nicht mehr wirkt: Es braucht kein Schulterklopfen von außen, es braucht lediglich die eigene innere Überzeugung, das Richtige zu tun! Es braucht innere Unabhängigkeit und den Mut, den alten Göttern nicht mehr zu huldigen! Es braucht neue, frische Ideen und andere Wege. 

Die „alten“ Werte lagen mir nie, ich war für diese Welt der aufgepimpten Egos immer schon zu sensibel. Aber welche Werte bleiben, wenn die hochgehaltenen Flaggen der Vergangenheit im Wind nur noch müde wedeln? 

Menschlichkeit, Mitgefühl, eine unbedingte Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit – all diese Werte, die in der elitären Welt voller gegeneinander kämpfenden Individuen belächelt und verächtlich in die Ecke des Versagens geschoben wurden. Jetzt sind sie wichtiger denn je! Daran sollten wir immer denken, wenn wir schimpfen, jammern, Neid, Groll oder Wut empfinden, unter dem Spaltenden und Trennenden leiden, die Abgründe zwischen uns und anderen bewusst vergrößern. 

Wir alle haben es ein Stück weit selbst in der Hand, mutig unserem echten Weg zu folgen oder ihn zu verweigern. Und wir selbst können entscheiden, wie wir der Welt und den Menschen darin begegnen: Heucheln wir Scheinharmonie? Fechten wir blutige Schlachten aus, um unseres eigenen Vorteils willen? Jagen wir verheißungsvollen Trugbildern hinterher? Oder besinnen wir uns auf das, was uns allen dient und die herumfliegenden Trümmer zu einem neuen Bild zusammenfügt?

Wenn jetzt nicht die Zeit ist, sich zu diesen positiven Werten zu bekennen, wann dann? 

Es ist an der Zeit, all die Pioniere und Visionäre endlich zu hören! Die Kreativen und Verrückten, die klugen Köpfe, die Weltverbesserer und Utopisten! Nicht mehr zu kämpfen, vor allem nicht gegeneinander. Solidarität und Verbundenheit zu spüren! Im besten Fall selbst etwas zu den Visionen von morgen beizutragen! Denn das ist alles, was bleibt, wenn unsere alte Welt zusammenbricht und nur, wenn wir im Schulterschluss stehen, können wir uns aus den Trümmern eine neue bauen. 

Der erste Schritt ist, sich selbst als liebenswertes und liebendes Geschöpf zu begreifen, nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen. Der zweite ist, der Welt diese Überzeugung auch mitzuteilen. Der dritte, eine gesunde, faire Balance zwischen den eigenen und fremden Bedürfnissen zu finden. Und der vierte – ein Königsweg freilich – dem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen, in Kommunikation zu kommen (und zu bleiben), und Konflikte fair auszutragen.

Für mich bedeutet das in der Konsequenz außerdem, dass ich Scheinheiligkeit und Lügen noch weniger dulde als früher schon. Sie verursachen in mir ebenso Übelkeit und Widerwillen wie Ungerechtigkeit, Dummheit und blinder Aktionismus, und dieses Gift will ich nicht länger schlucken. Nicht zuletzt aus diesem Grund entsteht gerade dieser Artikel. Ich werde mich zeigen, mit meiner Angst, meinem Mut, meinem Zorn, meiner Hoffnung, meiner Liebe. Ich werde mich äußern. Ich werde mich der Welt so zumuten, wie die Schöpfung mich gedacht hat.

Ich verbinde mich.

Es gibt heutzutage prima Technologien, um sich überall und jederzeit mit Menschen, denen man sich nahe fühlt, zu verbinden. Nähe entsteht nicht im Raum, sondern in der Seele! Zu diesem Punkt gibt es nicht mehr zu sagen.  

Oder doch? 

An der Stelle ein liebevolles und herzliches Dankeschön an die Menschen, die ihre Leben mit mir teilen! Diese Menschen machen mein Dasein hell und sinnvoll. 

Du weißt, wenn auch du gemeint bist! :-) Und lächelst jetzt, da bin ich sicher. 

Ich konzentriere mich auf das Wesentliche.

Rückzug ins Private verlangt nicht nur der Lockdown per Definition – es scheint zunehmend immer weniger reizvolle Alternativen zu geben. Natürlich fehlt auch mir die Möglichkeit, kulturelle Veranstaltungen zu erleben, denn die haben wir früher häufig und gern mitgenommen. Auch das Reisen vermisse ich sehr, weil mein Hirn manchmal nach neuen Eindrücken giert. Aber wisst ihr was? Das Genörgel und Gemecker, was alles nicht mehr geht, (auch mein eigenes!) geht mir ziemlich auf den Wecker! Es geht nämlich noch eine ganze Menge!

Für mich ist das Wesentliche scheinbar klein und unbedeutend, doch bei näherer Betrachtung ist es das Eigentliche: Wenn ich ein Essen zubereite, selbstversunken Gemüse schneide, im Topf rühre und der Duft von Kräutern und Gewürzen sich in der Küche verteilt, dann empfinde ich Glück! Wenn ich durch das, was von unserer schönen Natur noch übrig ist, laufe, die Vögel singen und das Wasser plätschern höre, auf einen Baum klettere oder das bunte, weiche Laub unter den Füßen spüre, denn wird meine Kehle ganz eng vor lauter Ehrfurcht und Zuneigung – und dann empfinde ich Glück! Ich kann eine tolle Serie gucken, ein Spiel spielen, ein Bild malen, ein Buch lesen oder eins schreiben! Ich kann heißen Tee auf dem Sofa trinken, eingemummelt in eine kuschelige Decke. Ich kann ein Tier streicheln, den Himmel betrachten, wenn die Wolken darüber hinwegziehen, einen Kuchen backen, Sport machen. Ich kann mich geborgen in die Arme meines Lebensgefährten schmiegen und mich für den Moment sicher und beschützt fühlen, während draußen der Sturm um das Haus fegt. Ich kann mich an den Farben um mich herum erfreuen, an jenen, die ich am Leib trage und jenen, die mein Heim schmücken. Ich kann einen Igel und einen Maulwurf und eine Schnecke beobachten und den Frosch, der seit dem Frühjahr in unserem Teich wohnt. Ich kann mich austauschen oder streiten, ich kann nachdenken, ich kann lust- und angstvoll meine inneren Kämpfe ausfechten, ohne mich dafür zu verurteilen. Ich kann in einem sauberen Bett schlafen, ich kann neue Ideen aus meinem Kopf holen, ich kann mit meiner Imaginationskraft atemberaubende Welten erschaffen. Bei alldem fühle ich Glück – und weil ich mir dies auch bewusst machen, vergesse ich nicht, mich über dieses Glück zu freuen.

Ja, auch ich habe schon die ein oder andere Hölle gesehen, aber heute, in dieser Sekunde, ist es NICHT die Hölle, die mich umgibt, sondern es bleibt ein Meer an Möglichkeiten. Und es stünde uns manchmal maßlos anspruchsvollen Menschlein gut zu Gesicht, hin und wieder dankbar für alles zu sein, was eben doch gut und richtig in unserem Leben ist. Denn auch - und gerade - in einer absurden Welt gibt es Dinge, die gut und richtig sind. Das wusste schon Albert Camus und ich wiederhole es gern. Auch und besonders für mich selbst!

Ich bin.

Ich bin hier - ich denke und fühle, ich handle und agiere, ich bin ein Sandkorn unter vielen in der Wüste. Aber ich bin da. Wie jedem von uns sitzt mir tagtäglich der Tod im Nacken und er mahnt, die Zeit nicht zu verschwenden. Denn diese begrenzte Zeit in einem begrenzten Raum, die uns zur Verfügung gestellt wird, ist meine einzige Gelegenheit, eine Spur zu hinterlassen, und mag sie auch noch so klein sein. 

Ich habe fertig.

Der Artikel ist lang geworden und hält sich weder an journalistische Vorgaben, noch an die Art, wie ich eigentlich schreibe. In gewisser Weise ist er authentischer als alles, was ich sonst schreibe. Es ist, als sei meine Persönlichkeit einfach herausgeploppt wie ein Korken aus der Flasche, um sich mal richtig die Augen zu reiben und sich nach dem Erwachen in der Welt umzusehen. Zurück in die Flasche kann sie nicht! 

Ein reißender Strom, der sich einmal über die Ufer seiner Grenzen erhoben hat, kann es sich nie wieder in einem viel zu engen Flussbett behaglich machen.

Ich wünsche euch alles Liebe, bleibt gesund, besonnen und innerlich stark. 

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